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The Machine Girl (2008)

Nippons Exportschlager: Der Westen wünscht sich Blut und Schlüpfer

Kataude mashin gâru
aka The Machine Girl
(2008, Japan/USA)
Regie: Noboru Iguchi
mit Minase Yashiro, Asami, Kentarô Shimazu, Honoka, Tarô Suwa u.a.

Selten bin ich noch wirklich neugierig auf brandneue Filme, doch um The Machine Girl entstand im Vorfeld einiger Wirbel. Vor allem im Internet. Schon der Trailer versprach Exploitation-Routinen am laufenden Band. Im Zuge eines Grindhouse-Revivals passte das Thema wie die Faust aufs Auge. Für die Vermarktbarkeit sorgte die amerikanische Firma Feaver Dreams, wie in guten alten Tagen die exotischen Wünsche westlicher Spartenfans erfüllend. Die Story könnte dabei nebensächlicher nicht sein. Nach einem Disput sinnt ein Schulmädchen nach Rache und legt sich mit ‘Hattori Hanzo’ Yakuza und Ninjas an.

Kinofans kennen dieses Prozedere zu Genüge insbesondere aus dem asiatischen Raum und aus dem Western. Was der Zuschauer jedoch in The Machine Girl geboten bekommt, kann man schon fast als einen bunten Strauß von Hommagen an eindrucksvolle Genre-Momente beschreiben.
Sowas boten in jüngerer Zeit solch illustre Gestalten wie Quentin Tarantino und Robert Rodriguez feil und tatsächlich haftet dem Film aus Aktualitätsgründen ein Hauch Planet Terror an, obschon die hiesige Waffenprothese am Arm angebracht Experten eher Erinnerungen an Die Armee der Finsternis wachrütteln müsste. Asienfreaks sehen bei der Armamputation aus The Machine Girl Parallelen zu Das goldene Schwert des Königstigers und durch das Verwenden einer Art fliegender Guillotine erinnert man sich an Duell der Giganten zurück, während die Jüngeren noch Kill Bill vor Augen haben. Frittierte Finger kennt man aus Naked Blood, wohingegen ein Loch im Körper Der Tod steht ihr gut als technischen Vorreiter vorweisen kann. Stilistisch unschwer an Matrix orientiert, hat ein Zeitlupentänzchen beim Ausweichen vor Shuriken seine ursprünglichen Vorbilder bei Sam Peckinpah, Chang Cheh oder John Woo.

Exploitation & Kommerz: Subjektive Abbildung von Subkultur und Filmtradition

Trotz der internationalen Einflüsse ist The Machine Girl keinesfalls als Antwort auf das Zitate- und Remakekino des Westens einzustufen. Vielmehr ist der Film auffällig auf ein westliches Publikum zugeschnitten. Der Streifen bekam sogar gleich eine englische Synchronisation spendiert, was sich auf den amerikanischen Produzenten John Sirabella zurückführen läßt. Trotz einer gehörigen Menge Funsplatters müssen extremophile Freunde japanischer Produkte für spezielle Bedürfnisse ihre Erwartungen an The Machine Girl deutlich herunterschrauben.
Nur in Untergrundzirkeln scheinen japanische Videos von täuschend echten Obduktionen, minutenlang zelebriertem, rituellem Selbstmord, unappetitliche Schulmädchenfetische auf Tamponniveau, oder generell nerdige Macht- und Rachephantasien von semi-pornographischem Charakter vermarktbar zu sein. Zu verstörend sind diese Geschmacklosigkeiten, um sie als The Machine Girl in Watte gepackt ohne scharfe Kanten oder verschluckbare Teile an ein Publikum weiter zu geben, welches sich nach dem tüv-geprüften Abenteuer eines Themenparks sehnt.
Richtig skurrile Überraschungen wie sie einst Takashi Miike mit einem vaginalen Blasrohr in Fudoh: The New Generation erzeugte, vermißt man dann schon. Selbst ein Drill-BH muß sich in puncto Belustigung leider hinter den Kraftwarzen der Klitoria aus Flesh Gordon anstellen. Dabei hat sich Noboru Iguchi, Regisseur und Drehbuchautor von The Machine Girl, doch mit Sukeban Boy schon auf bizarrerem Terrain bewegt.
Die Effekte von Yoshihiro Nishimura sind im Vergleich zu seiner Arbeit bei Meatball Machine eher konventionell gehalten. Diese bilden, von wenig emotional agierenden Darsteller aus der Erotikbranche kaum unterstützt, die eigentliche Hauptattraktion des Films. In sehr gut abgestimmter Regelmäßigkeit eingesetzt, verliert The Machine Girl der dünnen Handlung trotzend das Tempo nie. Die für einen solchen Film erstaunlich lange Laufzeit von gut 90 Minuten vergeht so bei voller Aufmerksamkeit.

Verzehrsempfehlung: Erst Kopf ab-, dann Player anschalten

Ob man The Machine Girl als guten Film empfindet, ist stark von der Herangehensweise abhängig. Noch konsequenter, aber mit ähnlicher Systematik wie ein klinisch sauberer, amerikanischer Neo-Slasher reduziert der Film das reihenweise Sterben zur schaustellerischen Sensation. Trotz des nebst zahlreichen Verstümmelungen kruden Feuerwerks aus Blutfontänen in der Tradition von Lady Snowblood und Okami – Das Schwert der Rache läßt die inszenatorische Qualität der expliziten Szenen aufgrund der klar überzeichneten und mit geübtem Auge schnell als Effekt zu entlarvenden Umsetzung stets eine klare Differenzierung zu. Obwohl die Kamera in The Machine Girl sehr viel zeigt, verharrt sie nie mit voyeuristischem Charakter auf einzelnen Motiven, sondern ist bemüht, neue Reize, vor allem aber flüssige Action einzufangen.
Den künstlerischen Anspruch des stilisierten Kampfes aus dem Chanbara-Kino sucht man hier jedoch genauso vergeblich wie die tiefsinnige Story oder nennenswerte Innovationen. The Machine Girl ist ein beschwingter Konsumentenfilm, der mit Schulmädchenuniform, spärlichen Pantyshots und einer Menge Himbeersirup ein sehr oberflächliches Bild des japanischen Kinos zeichnet. Was für potentiellen Nachwuchs vielleicht als Einstiegsdroge fungieren kann, funktioniert in geselliger Runde gestandener Filmfreaks dank der wie aus dem Matschhirn eines manischen Cineasten sprudelnden Tribute immer noch erstaunlich gut.

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  • Originaltitel: Kataude mashin gâru
  • Deutscher Alternativtitel: The Machine Girl
  • Regie: Noboru Iguchi
  • Autor: Noboru Iguchi
  • Darsteller: Minase Yashiro, Asami, Kentarô Shimazu, Honoka, Tarô Suwa, Yuya Ishikawa, Noriko Kijima, Kentaro Kishi, Nahana, Demo Tanaka, Erika Terajima, Ryôsuke Kawamura, Hiroko Yashiki
  • Erstaufführung: 08.02.2008, European Film Market, Berlin, Deutschland
  • Produktionsland: Japan, USA
  • Produktionsfirma: Fever Dreams, Nikkatsu
  • Produktion: John Sirabella, Yoshinori Chiba, Yoko Hayama, Satoshi Nakamura
  • Kamera: Yasutaka Nagano
  • Schnitt: Kenji Tanabe
  • Musik: Takashi Nakagawa
  • Special Effects Firma: Nishimura Motion Picture Model Makers Group
  • Special Effects: Taiga Ishino, Maki Mizui, Daichi Nagisa, Yoshihiro Nishimura, Yûta Okuyama, Kazuhide Shimohata
  • Stunts: Naohiro Kawamoto, Kensuke Sonomura

Infos: OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot

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