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The Killing Machine (1975)

Ein zu Unrecht als Exploitation mißverstandenes Actiondrama

Shôrinji kenpô
aka The Killing Machine
(1975, Japan)
Regie: Norifumi Suzuki
mit Sonny Chiba, Yutaka Nakajima, Makoto Satô, Naoya Makoto u.a.

Bei The Killing Machine haben wir es abermals mit einem japanischen Film zu tun, der durch seinen amerikanischen Vertriebstitel sehr auf Gewalt reduziert wird. Auch Quentin Tarantino hilft dem Interessenten wenig, wenn er das Werk im Audiokommentar zu Hostel 2 als den einzigen Streifen annekdotiert, in dem er vor Eli Roths Schocker gesehen habe, wie ein abgetrennter Penis von einem Hund gefressen wird.
Noch weniger als die mit Karate Bullfighter initiierte Masutatsu Ôyama Trilogie, dem der Film stilistisch ansonsten nahe steht, läßt sich The Killing Machine in die zeitgenössische Exploitationwelle einordnen. Treffer sitzen hart und gnadenlos. Ausgeschlagene Zähne, Knochenbrüche und ein amputierter Arm sind zu verzeichnen. Der feine Unterschied ist die organische Verschmelzung mit der Erzählung. Gewalt wird nicht selbstzweckhaft ausgeschlachtet, was sich schon am Timing ausmachen läßt. Ein blutiger Showdown wird hier nicht geboten. Brutale Illustrationen stellt man in The Killing Machine dar, weil es am entsprechenden Punkt der Handlung zu einer solchen Auseinandersetzung kommt.

Anders lässt es das Sujet gar nicht zu. Norifumi Suzuki verarbeitet die auf Tatsachen beruhende Entstehungsgeschichte der Selbstverteidigungskunst Shôrinji Kenpô, die Doshin So (Sonny Chiba) 1947 in der japanischen Stadt Tadotsu begründet hat. Shôrinji Kenpô verknüpft chinesische und japanische Lehren. Unter anderem fließt die Schule der Shaolin ein.
Doshin So kehrt aus dem Krieg zurück und muß sich im besetzten Japan behaupten. The Killing Machine beschreibt anhand von Schlüsselszenen die Entwicklung der Grundprinzipien des Shôrinji Kenpô. Bezugnehmend auf Buddha und Bodhidharma bestimmen Achtung und Verständnis ein Miteinander.
Dem Actionfan soll es genug des Amüsements geben. Dafür bürgt die eingehende Texttafel mit dem Hinweis, die Geschichte um die reale Figur des Shôrinji Kenpô Begründers Doshin So sei an dieser Stelle fiktiv aufgearbeitet. Man muß davon ausgehen, daß in The Killing Machine einige Hintergründe stilisiert wurden.

Eine japanische Robin Hood Figur

Doshin So setzt sich für Straßenkinder ein, die in den Trümmern hungern. Er verteidigt sie, als sie für seine Lehre bestraft werden sollen. Er hat ihnen beigebracht, daß sie in der Not Nahrung stehlen dürfen. The Killing Machine zu Folge setzt er sich gegen Unterdrücker und Ausbeuter ein, unterstützt die Schwachen und versucht diese seelisch aufzubauen.
Als Doshin So erneut im Gefängnis landet und von den GIs zum Tode verurteilt werden soll, verhilft ihm der Gefängnisleiter aus Sympathie zur Flucht. Doshin So soll in der Ferne weiter sein Werk vollbringen, in dem er eine Hoffnung für Japan sieht.
Entgegen einem generellen Kampfsportverbot gründet Doshin So in The Killing Machine eine kleine Schule, die schnell an Anhängern gewinnt. Sein unbestechlicher Idealismus bringt ihm Schwierigkeiten mit den Yakuza ein, die in seinem Schaffen eine Gefahr für ihr Geschäft sehen.
Der Karate Bullfighter Masutatsu Ôyama hatte in der Trümmerwelt der Nachkriegszeit mit seinem Kampfgeist und Dickschädel zu kämpfen. Seine moralischen Rückschlüsse hatte er nach dem Begehen von Fehlern zu ziehen.
Der in China aufgewachsene und dort in verschiedenen Kampftechniken ausgebildete Doshin So war in Folge des Einmarsches der Russen in die Mandschurei nach Japan zurückgekehrt. The Killing Machine beschreibt ihn im Gegensatz als heißblütiger, aber für menschliche Gerechtigkeit einstehender Mann. Die chronologisch Schlüsselerlebnisse mehrerer Jahre abhandelnde Geschichte umfasst folglich die moralische Reifung der Figur. Man neigt dazu, Doshin So als einen Nationalhelden von Robin Hood Format zu verstehen. Störend ist dies allerdings nicht, da The Killing Machine mit einer Laufzeit von deutlich unter anderthalb Stunden einfach zu wenig Zeit hat, den Protagonisten bis aufs Äußerste glorifizierend zu beleuchten.

Ein kleines Fenster zu den Herzen traumatisierter Japaner

Genauso setzt der Film auch grundlegende Kenntnisse des Zeitgeschehens voraus. Die Szenensprünge beschränken sich darauf, das aktuelle Jahr anzugeben und dann Doshin So mit relativ simplen Stereotypen zu konfrontieren. Auf diese kurz angebundene Art ist dann in wenigen Silben vieles ausgedrückt. The Killing Machine verarbeitet das allgemeine Kriegstrauma mit vielen Motiven des Überlebens um jeden Preis. Man beleuchtet Recht, Moral, Kraft und Macht. Selbstredend erscheint Doshin So dabei als der menschlich richtig agierende, auch wenn er nach geltendem Recht verurteilt wird. Besatzermacht und korrupte Yakuza legen dabei das Gesetz um den eigenen Standpunkt und Vorteil bedacht aus.
The Killing Machine bleibt aufgrund der relativen Greifbarkeit auch für Normalsterbliche nachvollziehbar. Man muß kein Kampfsportphilosoph sein, um ihn zu ergründen. Obwohl subjektiv gefärbt ist The Killing Machine ein weiterer interessanter Einblick in eine Epoche, die in westlichen Gefilden kaum zur Sprache kommt. Es läßt sich einige Unzufriedenheit ablesen. Dieser Einblick ist mindestens genauso interessant, wie die Definition der weniger bekannten Selbstverteidigungskunst mit religiösem Anstrich. Wer sich eine detaillierte Einführung in die Technik wünscht, verlangt etwas zu viel. Mehr als den Ursprung beleuchtet dieses sehenswerte Actiondrama nicht. Wegen der gesunden Mischung aus Martial Arts und Tiefgang sollte man sich The Killing Machine jedoch nicht entgehen lassen.

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  • Originaltitel: Shôrinji kenpô
  • Internationaler Alternativtitel: The Killing Machine
  • Regie: Norifumi Suzuki
  • Autor: Isao Matsumoto
  • Darsteller: Sonny Chiba, Yutaka Nakajima, Makoto Satô, Naoya Makoto, Sanae Kitabayashi, Akiko Mori, Akira Ôizumi, Hôsei Komatsu, Kyôichi Satô, Genji Kawai, Junichi Tatsu, Kazuhide Haruta, Kinji Takinami, Rikiya Yasuoka, Joya Sato, Toshiyuki Tsuchiyama, Midori Hoshino, Toshihiko Sawada, Makoto Wada, Shunsuke Kariya, Giichi Sugi, Sami Suzuki, Gôzô Sôma, Akira Kuji, Chû Takatsuki, Masao Hiraishi, Teruo Shimizu, Miru Rado, Teinosu Aru, Taiko Rin, Shigeru Yokoyama, Koji Miemachi, Megumi Jô, Fumie Shô, Kimie Matsui, Yuko Toshima, Hitoki Iizuka, Norihiko Umeji, Naoyuki Tsuji, Eiji Iwabuchi, Mieko Muramatsu, Osamu Yamanouchi, Jirô Sagawa, Kôji Sawada, Ryôjirô Nishimoto, Sakae Yamaura, Misao Haruda, Toshimichi Takahashi, Osamu Kimura, Shoji Matsushita, Fukunosuke Izumi, Kengo Miyaji, Kôichi Yamada, Kenji Gotô, Masumi Osaki, Yumi Sumika, Yasushi Esaki, Masako Kuchitori, Akemi Koike, Homare Hasegawa, Yasuhito Sugawara, Kazuki Onoda, Yoichi Nanya, Kojun Ikuta, Asao Koike, Hiroshi Nawa, Tanosuke Iwasa, Hideo Murota, Etsuko Shihomi, Tetsurô Tanba, Naomi Katô
  • Erstaufführung: 15.02.1975, Japan
  • Produktionsland: Japan
  • Produktionsfirma: Toei
  • Kamera: Yoshio Nakajima
  • Musik: Shunsuke Kikuchi

Infos: OFDb, IMDb

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