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The Giant Gila Monster (1959)

Hollywood Pictures Corporation B-Movie Double-Feature

Teil 1: Die Nacht der unheimlichen Bestien (The Killer Shrews)
Teil 2: The Giant Gila Monster

Zurück aus dem Refreshment-Center, welches Couch-In Betreiber zeitweilig auch abfällig als Küche bezeichnen, geht es auf zu unserer zweiten Feature Presentation. Wer Die Nacht der unheimlichen Bestien schon als Zumutung dieses Double-Features empfand, darf sich auf etwas gefaßt machen. Es wird schlimmer!
Der Einstieg ist dabei noch klassikerwürdig. Ein turtelndes Teenpärchen rollt plötzlich im Auto den Abhang hinunter, eine gigantische Klaue senkt sich ins Bild: ‘The Giant Gila Monster’! Sphärische Theremin Klänge sirren mystisch. Und dann lernen wir, daß amerikanische Teenager auch braver als in …denn sie wissen nicht, was sie tun sein können. Ladies and Gentlemen, hier in der texanischen Einöde haben wir ein Kaff aufgetan, in dem christliche Werte noch etwas zählen. Hier vermutet man noch, die verschwundenen Jugendlichen könnten sich davon gemacht haben, um zu heiraten. Die perfekte Auskunftszentrale scheint für die Polizei hingegen der Mechaniker Chase Winstead (Don Sullivan) zu sein, der mit seinen Tuningambitionen zumindest für etwas rebellisches Flair dieses angehenden Jugenddramas sorgt.
Chase, der vorsorglich auch schon mal Nitroglyzerin einlagert, ist offensichtlich der Dreh- und Angelpunkt dieses Filmes, dessen Titel uns schon vor dem Mitwirken einer übergroßen, giftigen Gila-Krustenechse warnt. Diese wird manchen Quellen zufolge zwar von einer Skorpion-Krustenechse gespielt, aber das soll uns hier nicht weiter beunruhigen. Wesentlich interessanter ist da, daß die Credits auf Songs von Don Sullivan verweisen, der auf seine sehr kurze Filmkarriere folgend in der Shampoo-Branche Fuß gefaßt haben soll, was ein weiteres Highlight des Films vorausahnen läßt.

Während die Gedanken so schweifen, wurde Chase inzwischen zum Unfallort zitiert. Angesichts der Naivität im Umgang mit Spuren und Material darf man sich zwischen zeitgenössischem Realismus weit vor hochtechnischen Krimis oder frei erfundenem Humbug zwecks einer Beurteilung entscheiden. Unwahrscheinlich sollte es sein, daß die Polizei mal eben Bestandteile eines Fahrzeugwracks an Zivilisten verschenkt. Die Versicherung wird das ja wohl egal sein, sagt der Offizielle, aber was ist mit dem Beweismaterial?
Aber das Jungchen hat es auch nicht leicht im Leben. Den vollkommen besoffenen Radiomoderator Steamroller Smith (Ken Knox) aufgegabelt, bedankt dieser sich mit ein paar Dollar für das Nachtlager, worüber sich Chase wie ein Schneekönig freut. Unter anderem sitzt bei ihm Zuhause ja auch ein körperlich benachteiligtes Mädchen, das hohe Arztrechnungen zu verursachen scheint. Diesem klimpert er auf seinem Banjo einen Song vor, den er später vor großem Publikum nochmals wiederholen wird, als sein neuer Kumpel aus der Stadt den DJ mimt und verkündet, daß Chase eine Platte veröffentlichen wird, in dessen Demo wir kurz hereinhören dürfen.
Da Ken Knox wirklich für eine Radiostation des Produzenten Gordon McLendon gearbeitet hat, darf man wohl schließen, daß The Giant Gila Monster nebst dieser Eigenwerbung tatsächlich als eine Verkaufsplattform für die Single gedacht war. Ob die dann wirklich produziert wurde? Keine Ahnung. Das konservative Amerika war ja keinesfalls durchweg vom Rock’n'Roll der Fünfziger überzeugt und so hätte es für die seichten bis leicht schmalzigen Klänge, die sich nicht vor religiösen Bezügen scheuen, durchaus einen Markt haben können. Für heutige Ohren klingt die Musik gelinde gesagt kitschig-lächerlich.

Ein weiteres Indiz dafür, daß The Giant Gila Monster ein eigenwillig-kommerzielles Experiment darstellt, ist das Untier selbst. Selten ist mir eine derart lustlose Giganteninszenierung begegnet. Natürlich ist es nicht einfach, eine lebende Echse in einen Monsterfilm zu integrieren, allerdings wird hier nicht mal im Ansatz versucht, über dynamische Schnitte oder Belichtungstechniken so etwas wie Spannung oder Interaktion zu erzeugen. Die einzige Art, auf die das müde durch seine Modellbaukulisse watschelnde Vieh Eingriff in die Umgebung nimmt, ist das extrem unbefriedigende Zerstören von Spielzeugautos und einer Modelleisenbahn.
Gestalterischer Anspruch läßt sich dabei nicht feststellen. Die meiste Zeit sehen wir die Echse in Nahaufnahmen und der Wüste. Wenn nicht gerade Autos schreckhaft abbiegen, dann sorgen maßstablich durchschaubare Explosionen für die wenigen on-screen Zerstörungen. Auf dem Höhepunkt erregt ein in der Wand einer Miniaturscheune steckendes Monster eher Mitleid. Insbesondere hier fällt zudem der optische Unterschied zwischen realen und “Trick”-Aufnahmen negativ auf.
Mit sehr zurückhaltendem Tempo läßt The Giant Gila Monster viel Freiraum für dämliche Kommentare in heiterer Runde. Dies ist auch unbedingt notwendig, um bei solch einem mißglückten Genrespagat nicht vorschnell in den Schlaf zu sinken. Wenn schon die Tricktechnik hinten an steht, hätte wenigstens jugendliches Rebellentum für etwas Abwechslung und Unterhaltung sorgen können. Doch nicht einmal amtliche Hotrods kommen hier tragend ins Spiel. Es scheint, als habe man wirklich wahllos Zutaten aus jüngeren Kinoerfolgen vermengt, ohne sich an ein vorher durchdachtes Rezept zu halten. Zwar hat dieser ungelenke Matsch dadurch einen etwas kuriosen Reiz auf ein Publikum, welches sich am Unvermögen ergötzen kann, doch unterm Strich wirkt der Film dabei kaum unterhaltsamer. Die Frage, warum die Produktionsfirma keine weiteren Projekte angefaßt hat, stellt sich daher nicht.

Originaltitel: The Giant Gila Monster
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 25.06.1959, Dallas; Texas, USA
Regie: Ray Kellogg
Darsteller: Don Sullivan, Fred Graham, Lisa Simone, Shug Fisher, Bob Thompson, Janice Stone, Ken Knox, Gay McLendon, Don Flournoy, Cecil Hunt, Stormy Meadows, Howard Ware u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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