Home » Film » Snakes on a Train (2006)

Snakes on a Train (2006)

Die Fahne des Videotheken-Rip-Offs von aktuellen Kinoproduktionen empor reckend, hat sich die Produktionsfirma The Asylum eigentlich einen Ruf erarbeitet, der es erlauben müßte, diese Information als selbstverständlich hinzunehmen. Doch auch wenn der Titel Snakes on a Train nur zu deutlich auf das Publikum des einigermaßen erfolgreichen Snakes on a Plane abzuzielen versucht, hat sich der deutsche Verleih hier einen besonderen Trick einfallen lassen, denn in den Regalen stehen inzwischen Zweitvermarktungen unter Titeln wie Zombies im Zug und Snake Hell, von denen letzterer, so muß man zugeben, fast am passendsten erscheint.
Anstatt nämlich den ganzen Katastrophen-Krimi-Plot des Vorbildes auf Snakes on a Train zu übertragen, setzen die Macher an ganz anderer Stelle an und bewegen sich damit auf dem Terrain, das mehr dem klassischen Gruselstoff ähnelt. Ein mexikanisches Pärchen hat es dabei fies getroffen. Nicht mit der Verbindung einverstanden, belegten die Eltern Alma (Julia Ruiz) mit einem uralten Fluch, der sie ihre Seele in Form von Schlangen hervorwürgen läßt. Diese in Weckgläsern sammelnd befinden sich die beiden nun auf der Flucht nach Los Angeles, wo sich Alma einem Exorzismus unterziehen soll. Der Weg führt sie dabei – wie sollte es anders sein – in einen Zug.

Interessanterweise ist dabei die zusammenhangslose Beschreibung unterschiedlicher Figuren auf ihrer Strecke gar nicht so störend. Snakes on a Train wirkt zunächst trotz enger und dunkler Zugkulisse wie ein Reisefilm durch das große Amerika. Die Interieurs passend dabei nie mit dem wechselhaften Stock-Footage der Außenaufnahmen zusammen. Vor Stereotypen wird weder bei der Thematik illegaler Einwanderer halt gemacht, noch ist man sich zu schade, den Verlauf um einen bunten Blumenstrauß aus stiefmütterlich behandelten Nebenhandlungen zu binden, der auch nicht davor zurück schreckt, zwei junge Frauen, die für ein Taschengeld Drogen schmuggeln, mit einem Bullen zu kreuzen, der doch glatt für ein wenig Sex seine Paragraphen vergessen würde.
Behäbig rattert so das Vehikel voran, bis irgendwann die unvermeidliche Konfrontation zwischen Passagieren und Almas zischelndem Erbrochenen eintritt. Wie schon die schleimigen Vorzeichen, bei denen die Viecher widerlich unter der Haut krauchen, entläd sich das Desaster gemütlich, jedoch auf der Effektseite überraschen garstig.
Lobenswert, daß man tatsächlich versuchte, ein Farbspiel zu erzeugen, welches mit den Blick durch schnellen Schnitt auf die Schockeinlage reißender Montage Vorbilder im Horrorfilm der 60er Jahre vermuten läßt. Daß hier ein Kind von einem riesigen Reptil verschlungen wird, dürfte für Sympathien in den gegen altkluge und stets überlebenden Nachwuchs allergischen Lagern sorgen.

Plätschert Snakes on a Train jeher relativ angenehm am Zuschauer vorbei, so mag in ihm doch spätestens zum Ende der mit gut 82 Minuten nicht zu langen Laufzeit die Suche nach dem Sinn entfacht sein. Was soll diese stets nach vorn gerichtete Bewegung bezwecken? Wo kommt man schließlich an? Die Antwort gibt schon das Plakatmotiv, weshalb der ruppige Abbruch an dieser Stelle wohl mit Warnfunktion für potentielle Kunden angebracht werden darf. Bevor das schlangenfräßige Inferno nämlich zu einem wirklichen Höhepunkt kommt oder eine wirklich anschauliche Zahl an Schlachtlämmern den sich windenden Killern zum Opfer gefallen ist, erhebt sich plötzlich ein großes Exemplar in Playstation 1-CGI-Optik und verschlingt, ganz wie vorgegeben, den Zug, um in einem Dimensionsstrudel zu entschwinden, der wenige Insassen der Bahnfahrt in der Einöde zurück läßt.
Was soll uns diese Szene sagen, wie sich zwei phallische Symbole so vereinen? Immerhin ist im Kino der Zug mit seiner Tunneleinfahrt ja ein gern genutzter, sexuell konnotierter Akt.

Gern hätte ich an dieser Stelle wild heruminterpretiert, hätte beeindruckt von diesem mutigen Ende von Kunst mit einer destruktiven Antihaltung gegenüber der Erzählung gesprochen, wobei man dieser Holzhammermethode ja eine gewisse Coolness gar nicht absprechen kann. Doch da muß etwas faul sein und das ist es dann auch. Die Macher hatten nämlich Snakes on a Train tatsächlich anhand des angesprochenen Artworks verkauft, was die Produzenten angesichts des in andere Bahnen laufenden Films auf den Plan rief. Klar, kein Ding, dachte man sich, basteln wir halt das Material mit einem hingerotzten Ende zusammen und bumms, haben wir ein verkaufsträchtiges, rein des Geldes wegen inszeniertes Produkt.
Natürlich passiert so etwas ständig. Hier allerdings ist es so auffällig, daß jedem halbwegs normal gepolten Cineasten haßerfüllt der Geifer aus den Mundwinkeln tropft. Andererseits ist es eine Hintergrundgeschichte, die in einigen Jahren vielleicht dem Kult um andere Schlockgurus wie Ed Wood das Wasser reichen könnte. Die Mischung aus qualitativen Ansätzen und grenzenloser Fehlleistung jedenfalls könnte dazu führen, daß Snakes on a Train in gewissen Kreisen noch länger im Gespräch bleibt.

Originaltitel: Snakes on a Train
Deutsche Titel: Snakes on a Train, Snake Hell, Zombies im Zug
Produktionsland: USA
Erstveröffentlichung (DVD): 15.08.2006, USA
Regie: Peter Mervis
Darsteller: Alby Castro, Julia Ruiz, Amelia Jackson-Gray, Shannon Gayle, Giovanni Bejarano, Isaac Wade, Stephen A.F. Day, Carolyn Meyer, Lola Forsberg, Madeleine Falkskog, Derek Osedach, Jay Costelo u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en), Moviepilot

Posted in Film and tagged as , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

2 comments on “Snakes on a Train (2006)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>