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Oase der Zombies (1982)

Die Karawane zieht weiter, der Führer ist pleite

Oase der Zombies (1982) Cover von X-Rated
L’abîme des morts vivants
Oase der Zombies
(1982, Frankreich/Spanien)
Regie: Jesús Franco
mit Manuel Gélin, France Lomay, Myriam Landson, Antonio Mayans u.a.
Div. Blu-ray/DVD von X-Rated
Da ist das mysteriöse Nazigold doch nicht in einem teutonischen Tümpel oder Stollen gelandet, sondern hat es bis nach Afrika geschafft, wo es der Wüstenfuchs Rommel dann deponiert hat. Das ruft natürlich Glücksritter auf den Plan und zu denen gehört eigentlich auch Jess Franco, der mit Oase der Zombies hier für Eurociné mal wieder einen Film ohne wirkliches Budget realisiert. Daß es auch Gerüchte um sein Mitwirken an Zombie Lake gab, der inzwischen bezogen auf die Regie Jean Rollin zugeschrieben wird, ergibt eine irgendwie logisch erscheinende Brücke. Schließlich hatte Jess Franco Anfang der 80er einige Abenteuerstreifen auf den Markt geworfen, die mehr oder minder dem Titel gerecht mit Kannibalen angereichert waren. Und was zog da noch in der Exploitationkiste, seit Dario Argentos Schnittfassung von Zombie in Italien einige Epigonen nach sich zog? Ja, Untote halt!
Während in Zombie Lake grüngesichtige Wehrmachts-Geister in der Plörre plantschen und den Stechschritt zu einem bräsigen Schluffen moduliert haben, bringt Oase der Zombies nun die logische Fortsetzung für die bei Eurociné so beliebte Nazithematik. Nazizombies in der Wüste! Das ist ja fast wie der Schritt von Der weiße Hai zu Sand Sharks und eigentlich schade, daß damals dann nicht noch analog Nazinado, Nazipus, Dinopimpf oder Führernaconda folgten. Das wäre sicher der Knüller!

Obwohl, ganz so viel Zombie-Action bietet die Oase der Zombies nun auch nicht, was aber eigentlich vorher klar sein müsste, wenn man sich einen spekulativen Film Jess Francos reinzieht, der in seiner ihm eigenen improvisierten Art praktisch ohne Geld Filme zu drehen und dann mit dem gleichen Budget noch einen zweiten Streifen nachzulegen immer irgendwo zwischen genialem Understatement und völligem Schrott taumelte. Es ist dabei schon fast überraschend, rückwirkend so ganzheitlich ansprechende Meisterwerke wie Das Geheimnis des Dr. Z in seiner Filmographie zu entdecken.
So verschrien Oase der Zombies unter Horrorfilmfans ist, verglichen mit anderen Jess Franco Elaboraten dieser Zeit ist der Film erstaunlich wirkungsvoll. Ob das nun gut ist, muß der geneigte Zuschauer vielleicht selbst entscheiden, denn geleitet wird der Streifen von Motiven auf Blutorgel und Percussion, die gemäß der Vorliebe Jess Francos für freien Jazz eine atonale Basis für das Geschehen liefern, sofern nicht orientalisch angehauchte Melodien den Lebenswandel in der Wüste akkustisch einfangen.

Verwunderlich ist doch eigentlich, daß Nazis und Zombies nicht öfter kombiniert werden. Shock Waves fällt mir da noch ein, der obskure Die Nacht der Zombies, vielleicht noch der eher auf ein Geisterschiff ausgerichtete Death Ship und natürlich der aktuellere Dead Snow. Dabei wirft die Tatsache, daß eine überraschende Mehrheit des deutschen Volkes stumpf der Ideologie nachgegeben hat doch wirklich die Frage auf, ob das Verhalten nicht mit der Ergebenheit eines Untoten zu vergleichen ist, so wie George A. Romero die Konsumgesellschaft karikierte.
Von alledem ist jedoch wenig in Oase der Zombies spürbar, der insgesamt eher zaghaft mit dem Gaspedal umgeht. So schleppt sich eine oft im Kriechtempo agierende Kamera durch ihre Einstellungen, komplementiert durch ein paar Kriegsszenen aus Himmelfahrtskommando in die Hölle. Die Weite der Wüste wird kontrastiert durch die vorherrschende photographische Intimität mit den aus dem Sand hervorkrauchenden Zombiegestalten. Ihr zweckmässig effektives Make Up erinnert insbesondere durch die eingesetzten Würmer marginal an die kruden Arbeiten von Rosario Prestopino und Gino De Rossi. Der Auftritt wird unterstrichen durch nahezu punktuelle Klangtexturen und Drones aus Dissonanzen nebst zahlreichen atmosphärischen Effekten wie einem einschneidend überinterpretierten Sausen des Wüstenwindes. Weitere bedrohliche Stimmung erreicht die Kamera dann in einer Totalen mit Gegenlichaufnahmen von wankenden Kreaturen.

Mit etwas Weitblick betrachtet waren auch viele Filme, die sich eines reißerischen Zombietitels bedienten, nicht unbedingt ein Splatterfest. Da versuchte sich Joe D’Amato etwa mit In der Gewalt der Zombies an einer pornösen Variante und Streifen wie Die Nacht der reitenden Leichen waren von einer Atmosphäre beherrscht, die in Nuancen auch Jess Francos Oase der Zombies anhaftet. Wie sehr andererseits die Fans entweder den üblichen Erotik-Sleaze anteilig als zu gering empfinden oder aus der Perspektive eines Zombiefans die Auftritte der Untoten zu kurz und zu arm an Gore ablaufend, verdeutlicht die schwierige Situation, mit der Oase der Zombies den unbedarften Erwartungen der Zuschauer schwerlich gerecht werden kann. Dabei zermalmt die deliriöse Stimmung die Synapsen des Publikums sehr eindrucksvoll und ist dabei nahe an der Atmosphäre von Filmen wie Die Rückkehr der Zombies oder Großangriff der Zombies, in Sachen Surrealismus vielleicht sogar überlegen.
Im Grunde noch sperriger als der Schwippschwager Zombie Lake steht Oase der Zombies jederzeit in der Gefahr, vielleicht einfach aus Hilflosigkeit als Trash verlacht zu werden. Jess Francos Film tut mir deshalb auch irgendwie Leid, weil die Faszination meiner Ansicht nach schon von den Dingen ausgeht, die funktionieren. Seine starke Reduktion ist offenbar aber für viele ein Hindernis, sich einfach vom Wüstenwind durch ein dürres Albtraumland treiben zu lassen.

Die oben angesprochene Sache mit den zwei Filmen zum Preis von einem trifft übrigens auf Oase der Zombies auch gewissermaßen zu. Denn während Jess Franco die eigentliche Fassung für den französischen Produzenten unter dem Originaltitel L’abîme des morts vivants abgab, drehte er gleich noch eine spanische Variante unter dem Titel La tumba de los muertos vivientes, bei der Eduardo Fajardo anstatt Henri Lambert als Kurt Meitzell und Lina Romay an der Stelle von Myriam Landson zu sehen ist. Die englische Wikipedia mutmaßt hier eine kleine Revolte, weil der Produzent eine andere Vorstellung der Besetzung hatte und da Lina Romay bekanntermaßen Francos Muse war, liegt es auf der Hand, daß er sie liebend gern dabei gehabt hätte.
La tumba de los muertos vivientes ist bisher nur in Spanien und nur in spanischer Sprache erschienen. Auf einigen Remastered DVDs von X-Rated gibt es allerdings als Bonusmaterial zirka 25 Minuten Alternativszenen, die vermutlich auf diese Version zurückzuführen sind. Jess Franco macht es seinen Anhängern damit wie so oft schwer einen Überblick zu behalten.
Leider sind die Alternativszenen weder auf der wirklich günstigen Blu-ray oder DVD von VZM enthalten, noch auf den vermutlich identischen X-Rated Blu-rays. Dafür gibt es nur dort ein zweiminütiges Interview mit Antonio Mayans. Bieten die bisher genannten X-Rated Veröffentlichungen außerdem Oase der Zombies in der deutschen und französischen Sprachfassung, können die älteren Auflagen zwar nicht mit anamorphem Bild glänzen, haben aber zusätzlich die englische Synchro mit an Bord.

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Ergänzende Informationen

OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot

Daten zu Oase der Zombies
  • Originaltitel: L’abîme des morts vivants
  • Deutscher Alternativtitel: Oase der Zombies; Der Abgrund der lebenden Toten
  • Regie: Jesús Franco
  • Autor: Ramón Llidó, Jesús Franco
  • Darsteller: Manuel Gélin, France Lomay, Jeff Montgomery, Myriam Landson, Antonio Mayans, Javier Maiza, Eric Viellard, Caroline Audret, Albino Graziani, Miguel Ángel Aristu, Henri Lambert, Doris Regina, Jesús Franco, Daniel Katz, Juan Soler
  • Erstaufführung: 21.04.1982, Frankreich
  • Produktionsland: Frankreich, Spanien
  • Produktionsfirma: Eurociné, Marte Films Internacional, Diasa P.C.
  • Produktion: Daniel Lesoeur, Marius Lesoeur
  • Kamera: Max Monteillet, Juan Soler
  • Schnitt: Jesús Franco, Claude Gros
  • Musik: Jesús Franco, Daniel White
  • Special Effects: Richard Green

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