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Monster Dog (1984)

Auf der Suche nach einem der schwer auffindbaren guten Werwolffilme oder vor allem als Alice Cooper Fan stößt man zwangsläufig irgendwann auf Monster Dog. Obwohl Alice, mit Seltenheitswert in einer Hauptrolle, sich hier ausnahmsweise zumindest namentlich nicht bzw. nur mit seinem gebürtlichen Vornamen Vincent selber spielt, beginnt der Film doch gleich mit einem Musikvideo zu Identity Crisis, einem der beiden Cooper-Songs aus dem Film, die erst mit der The Life and Crimes of Alice Cooper Compilation 1999 auf einem Tonträger veröffentlicht wurden. Des weiteren ist neben eher unauffälligen Klängen der Grupo Dichotomy übrigens in Monster Dog später The Alan Parsons Project zu hören, wobei A Dream Within A Dream sich stimmungsmäßig sehr gut in den Streifen einfügt und The Raven perfekt zur Schminkszene Alice Coopers passt, in der er sich von seiner bürgerlichen Filmfigur Vincent Roberts in den Künstler Vincent Raven verwandelt – Verwechslungen mit The Next Uri Geller ausgeschlossen.
Marginal an Der Wolfsmensch angelehnt verschlägt es die Filmcrew nun in Vincents spanisches Heimatdörfchen, wo sie auf dem Weg direkt von der Polizei abgefangen werden. Der starke Nebeleinsatz in Monster Dog wird sich noch durch den gesamten Film ziehen, sorgt aber mit der teils auf Traumebene ablaufende Handlung doch für einen gewissen surrealen Touch. Die Polizisten warnen vor blutrünstigen Hunden, die das Dorf belästigen. Aber Vincent Roberts, der dem Sheriff schon im Kindesalter auf die Buchse gepieselt hat, würde schon wissen, was zu tun ist. Klar, deshalb erschlägt er den darauf angefahrenen Schäferköter auch sogleich mit einem Stein und ein blutig angerissener Eingeborener mit klischeebeladener “Ihr werdet alle sterben” Warnung auf den Lippen wird einfach ignoriert. Leute, ihr schaut zu wenig Filme.

In der Roberts-Residenz eingetroffen hängt zwar ein Willkommensbanner über dem Eingang, aber vom Haushälter keine Spur. Angela (Pepita James) träumt sich den abwegigsten Bockmist zusammen, von ihren zerfleischten Kollegen und einem Wolfsgesichtigen Vincent Raven. In dieser Atmosphäre schwer nachvollziehbar. Entgegen Vincent, der sich nun literarisch mit der Materie auseinanderzusetzen sucht, ist seine Freundin Sandra (Victoria Vera) total in der modernen Welt verhaftet und kann sich solch Vorkommnisse in einer Welt, in der man Videoclips dreht und mit dem Flugzeug verreisen kann, schwerlich vorstellen. Als sie aber endlich den neuen Clip zu See Me in the Mirror drehen wollen, schließt eine durch das Fenster stürzende Leiche die Aufnahmen ab.
Der Vater des Hauses wurde seinerzeit von aufgebrachten Bürgern des Dorfes, apropos, bisher war in Monster Dog kein weiterer Einwohner zu sehen, brutal ermordet, weil sie ihn für einen Werwolf gehalten haben. Just als die panische Angela das Haus verlassen hat und Vince ihr hinterhergejagt ist, kommt dieselbe Bürgerwehr ins Haus gestürmt, weil sie nun den Sohnemann im Verdacht haben. Hunde greifen an, das Chaos bricht los, es kommt zu einigen Wendungen, die man vielleicht erahnen, aber nicht vorhersehen konnte.

Eigentlich übertrifft Monster Dog die niedrigen Erwartungen, die man an ihn hegte. Dazu muß man die Vorgeschichte berücksichtigen. Nach großen Erfolgen in den Siebzigern konnte Alice Cooper mit seinen New Wave Alben nicht mehr an das bisherige Niveau anknüpfen. Außerdem verbrachte er eine gewisse Zeit in der Psychiatrie, litt unter seinem Alkoholproblem, fiel sogar von der Bühne. Alice Cooper gibt an, sich nichtmal an die Aufnahmen seiner letzten beiden Alben vor der Rehabilitation – Zipper Catches Skin und DaDa – zu erinnern. Als Ende des Jahres 1983 DaDa und das Home Video The Nightmare veröffentlicht wurden, war Alice Cooper gesundheitlich wiederhergestellt und seine Alkoholsucht schien geheilt. Dennoch veranlaßten die unterdurchschnittlichen Verkaufszahlen Warner Brothers den Vertrag mit Alice Cooper auslaufen zu lassen.
Ohne jegliche Bindung hatte nun Drehbuchautor und Regisseur Claudio Fragasso die Gelegenheit, den angeschlagenen Star in seiner Billigproduktion zu verheizen, wie es so oft im europäischen Kino passiert war. Claudio Fragrasso wiederum ist eng verknüpft mit dem berüchtigten Bruno Mattei, mit dem er mehrere Genrefilme gedreht hatte.

Monster Dog krankt hauptsächlich an seiner widersprüchlichen Funktion. Gute zehn Minuten der Spielzeit gehen für die Form des Musikvideos drauf, davon überflüssig die Reprise, die vor dem Abspann nochmals den Introclip mit zusätzlichen Aufnahmen aus dem Film wiederholt. Ferner gehören die beiden Songs, obwohl insbesondere Indentity Crisis, ähnlich wie das Werwolfthema, mit subtil persönlichem Bezug zu Alice Coopers realer Schizophrenie, auf eine eigenartige Weise ins Ohr geht, zu den schwächeren Nummern in seinem Repertoire. Da der Film nun aber nur bedingt als Revue genutzt wird, erhöhen sich auch die Anforderungen an den eigentlichen Spielfilm, der mit geringsten Mitteln in knappem Zeitfenster eine Geschichte zu erzählen versucht.
So fern man es in der englischen Sprachversion, in der Vincent Raven von Ted Rusoff synchronisiert worden sein soll, beurteilen kann, ist das Spiel Alice Coopers den Kollegen deutlich überlegen. Das mag daran liegen, daß er der einzige ist, der sich wirklich Mühe gibt. Da er sonst eher in Nebenrollen zu betrachten ist, kann man sein Talent schwerlich vergleichen, wobei seine theatralische Bühnenperformance ja dafür spricht, daß er durchaus auch im Filmmetier einen Platz finden könnte. Für das minimale Setting kann er wiederum nichts.

Es läßt sich darüber streiten, ob der Film tatsächlich als Zwischenschritt für Alice Coopers Karriere von Nöten war. Es hätte Monster Dog aber sicherlich gut getan, als Promotionvehikel für das mit Kane Roberts geschriebene 86er Comebackalbum Constrictor fungieren zu können, dessen Songs zum Teil in Freitag der 13. – Jason lebt zu hören sind. Auf sich allein gestellt verliert der Film nach einem respektablen Auftakt die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer. Claudio Fragrasso hält durchaus interessante Kniffe vorrätig, weiß diese jedoch nicht in Szene zu setzen. Nebulös wie die das Kammerspiel umwabernden Schwaden schreit der runtergekurbelte Plot nach einem Soundtrack, der ihm eine Berechtigung als Bühnenshow verschafft. Was anfangs noch über traumartige Atmosphäre gewinnen konnte, langweilt später mangels klarer Linien.
War der Film für Cooper-Fans über Jahre begehrtes Sammelobjekt, weil die zwei verwendeten Songs nicht den Weg auf einen Tonträger gefunden hatten, rangiert Monster Dog nur noch als Obskurität von wenig ausgeprägten Stärken und Effekten auf Gummimaskenniveau für Archivare mit Elefantenhaut im Bereich des Interesses.

Originaltitel: Leviatán
Deutscher Titel: Monster Dog
Produktionsland: Puerto Rico, Spanien, USA
Erstaufführung: 1984
Regie: Claudio Fragasso
Darsteller: Alice Cooper, Victoria Vera, Carlos Santurio, María José Sarsa, Pepita James, Emilio Linder, Ricardo Palacios, Luis Maluenda, Barta Barri, Charly Bravo, Fernando Conde, Fernando Baeza u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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