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Microwave Massacre (1983)

Donald (Jackie Vernon) arbeitet auf einer Baustelle. Seine Kollegen genießen handfeste Mahlzeiten und den Ausblick auf eine dralle Biene, die ihre weiblichen Rundungen zur Schau stellt. Donald hingegen befindet sich in einer Frustrationsphase seiner Ehe mit stagnierendem Sexualtrieb. Seit seine Frau eine Mikrowelle hat, muß er zudem ausgefallene Menüs ertragen, dabei sehnt er sich doch nach einem einfachen Käsebrot. Auf der Arbeit findet er stattdessen eine ganze Krabbe in seiner Lunchbox. Die bürgerliche Idylle seines Heims ist von Spannung zerfressen. Als er eines Tages betrunken nach Hause kommt, eskaliert die Situation. Zunächst wehrt sich Donald gegen die klinische Sauberkeit der Behausung, in dem er den vermißten Dreck aus seinem Staubbeutel befreit. Schließlich uriniert er ins Eck und erschlägt seine Frau. Am nächsten Morgen aufgewacht, hat Donald einen Filmriß. May hat ihm kein Lunch vorbereitet. Kann sie nicht, sie liegt ja in der Mikrowelle!
Wer im jugendlichen Leichtsinn vom Titel fehlgeleitet schon Enttäuschungen mit Filmen der Marke California Axe Massacre oder The Nailgun Massacre erlebt hat, bereitet sich mental auf eine Begegnung mit dem reißerisch benannten Microwave Massacre vor. Tatsächlich hat der obskure Schlock nichts mit einem Splatterfilm gemein, kann aber entgegen vieler seinen Artgenossen als anzügliche Komödie im Grindhouse-Look funktionieren.

Von der ersten Minute an springen uns weibliche Reize entgegen. Als Donald schließlich von seiner in der Garage zerteilten Angetrauten kostet und auch seine Arbeitskollegen schnell auf den Geschmack dieser neuen Diät kommen, von der letztere allerdings nicht über die Zutaten im Bilde sind, beginnt er seine neu gewonnene Freiheit auf zweierlei Art auszukosten. Er freut sich, müssen andere doch die Mädels zum Essen ausführen, um sie flachzulegen, während er reihenweise Frauen pimpern muß, um sie zu essen. Auch sein Psychologe, der Donalds volles Geständnis fatalerweise verschlafen hat, bekräftigt ihn aufgeklärt in seinem Handeln, als dieser verzweifelt von seinem Zwang klagt, Frauen verspeisen zu müssen, was im Englischen (eat women) zu einer Zweideutigkeit führt.
Obwohl die Produzenten und Autoren Craig Muckler und Thomas Singer zu der Randerscheinung des Filmgeschäfts gehören, die nichts unversucht lassen, um irgendwie einen Fuß in die Tür des Gewerbes zu bekommen, kann man ihnen kein Schindluder vorwerfen, abgesehen von den kleinen Fehlern wie zum Beispiel Mikrophonen im Bild. Auch wenn die Besetzungsliste sich nicht auf Weltniveau bewegt, so profitiert der zotische Humor doch sehr von Jackie Vernon als Stand-Up-Comedian, der viele Einzeiler treffsicher verkauft und somit für schallendes Gelächter sorgt. Auf seine tappsig-sympathische Art erinnert er an Dick Miller aus Roger Cormans Stammensemble.

Passend zur Funktionsweise stört es nun kaum, wenn Microwave Massacre auf die Vorstellung seiner Zuschauer setzt. Morde geschehen im Off und bei sexuellen Eskapaden bleibt sogar stellenweise der BH an, andererseits wird in einem surrealen Einschub auch mal eine nackte Frau mit Majonaise bestrichen und zwischen zwei riesige Brothälften gelegt. Abgetrennte Körperteile stellen sich zumeist verpackt in Alufolie dar, manchmal hingegen kommen auch klar erkennbare Requisiten zum Einsatz. Der Film spielt mit Zeigfreudigkeit und Unsichtbarkeit. So greift sich Donald anfangs zum Beispiel ein Alupäckchen, schwärmt über den erstaunlichen Geschmack seiner Frau und packt schließlich ihre Hand aus, begleitet von der allgegenwärtigen, karrikierenden Musik, die mit fröhlichen Grooves gegen das Gezeigte steht.
Ebenso paßt es zu dem Film, in einer kurzen Antiklimax auszulaufen, anstatt die Pointe zu einem gehaltlosen Luftsack aufzublasen. Im Kern ist Microwave Massacre eine gelungene Satire auf die junge Technologie. Immerhin erinnere ich mich, 1983 nicht ein mal die Tiefkühlpizza in unserer Nahrungskette vorgefunden zu haben, während andere schon über gesundheitliche Risiken der Strahlung der futuristischen Apparate diskutierten. Hier hat die Mikrowelle auch noch Schrankwandformat.
Wer schon einmal bei der Heißen Hexe gespeist, oder eigenmächtige Versuche des modernen Kochens gestartet hat, weiß wie armselig der matschige Fraß schmeckt. Wer sich zudem schon von einem übereifrigen Hausmütterchen strapaziert fühlte, findet in Microwave Massacre zwar kaum seine Katharsis, kann sich in Donalds Gemütszustand jedoch wunderbar einfinden.

Originaltitel: Microwave Massacre
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 31.08.1983, USA
Regie: Wayne Berwick
Darsteller: Jackie Vernon, Loren Schein, Al Troupe, Marla Simon, Claire Ginsberg, Lou Ann Webber, Anna Marlowe, Cindy Gant, Sarah Alt, Karen Marshall, Phil De Carlo, Aaron Koslow u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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