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Intergalaktische Halloween: 13 Horrorfilme (wieder-)entdecken

Happy Halloween liebe Kinder der Nacht!

Anläßlich des Kürbisfestivals habe auch ich mich gedanklich mit Horrorfilmen beschäftigt. Da mir jedoch nicht der Sinn nach den 10 besten Horrorfilmen für Halloween stand oder Antworten auf die Frage, wie der Film mit dem Bus, der nicht langsamer werden durfte, heißt, mußte erstmal das richtige Thema her. Intergalaktische Halloween sollen schließlich nicht irgendwie zelebriert werden.
Gerade noch rechtzeitig habe ich nun mein Werk fertiggestellt. Unheilige 13 Horrorfilme habe ich mir überlegt, Filmtips zum wieder- und entdecken. Der Schwerpunkt lag sicher auch auf dem subjektiven Eindruck. Doch das Hauptkriterium war die Besonderheit, Gruselstreifen die nicht in jeder x-beliebigen Favoritenliste zu finden sind und die bekannte Themen möglichst variieren oder kommentieren. Es sind keine speziellen Halloweenfilme aber doch alle, so denke ich, kompatibel.
Ich hoffe euch, liebe Leser, etwas inspiriert zu haben und freue mich ganz besonders auf eure Kommentare, gern auch mit eigenen Ergänzungen, welche Horrorfilme ihr an Halloween schaut oder ganz außergewöhnlich findet.

Blut an den Lippen
(Harry Kümel, 1971)

Für den Auftakt habe ich Harry Kümels Blut an den Lippen ausgesucht. Es handelt sich um einen modernen Vampirfilm, der sich wage auf die Bathory-Legende stützt. Kümel läßt nahezu alle Stigmata des Genres fallen, um sich mit nur wenigen Akteuren zu einem ultrasinnlichen und über alle Maße ästhetisiertem Beziehungsspiel hinreißen zu lassen. Ein frisch verheiratetes Pärchen gelangt so in die veruchten Fänge von Lust und Hingabe. Selten nah an der Grenze zum Trash gelingt Kümel in Blut an den Lippen lichtmalerische Poesie.

Martin
(George A. Romero, 1977)
Auch George A. Romero beschäftigt sich in seinem Film Martin mit dem Vampirismus. Sein urig-eigenwilliger Trip sehnt sich jedoch noch weit mehr nach der Moderne. So stellt er seine Hauptfigur Martin in einem Konflikt sexuell motivierter, pathologischer Obsession dar, gegenübergestellt streng abergläubischen Vorstellungen in einer klar kontemporären Welt. So begibt sich Romero auf eine weltliche Recherche der Vampirlegende, nicht ohne die ihm eigene gesellschaftskritische Note. Martin ist ein faszinierender Film, den man jedoch unbedingt in der Originalfassung genießen sollte.

Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis
(Kathryn Bigelow, 1987)
Dieser eine Moment, in dem man sich gehen läßt… Kathryn Bigelow geht mit ihrer Vampirvision Near Dark auf die Gefühlswelt Heranwachsender ein. Es ist eine kleine Romeo und Julia Geschichte, wie sich eines Nachts ein junger Mann auf ein fremdes Mädchen einläßt, die sich ihm zunächst widerwillig öffnet und damit zum Vampir macht. Als würden Aids und No-Future-Kultur auf einmal über ein amerikanisches Wüstenkaff einfallen, ist Near Dark ein fast schwerelos unwirklicher Horrortrip von dezent puritanischem Aroma. Während der Vampirclan sich an allem Leben labt und Ruinen hinterläßt, strebt die junge Liebe nach Ausstieg und Erlösung. Ist Blutdurst heilbar?

Mr. Vampire
(Ricky Lau, 1985)
Um diesen Zyklus des besonderen Vampirfilms abzuschließen sei Mr. Vampire herangezogen, der ein ganz spezielles Subgenre hüpfender Blutsauger hervorragend repräsentiert. Der asiatische Vampir ist ähnlich dem europäischen bestimmten Regeln unterworfen. Er läßt sich durch einen Bannspruch auf seiner Stirn zähmen, hat so seine Schwierigkeiten mit spezieller Tinte und Reis. Diese für unsere Augen zunächst unfreiwillig komischen Gesetze bringt uns Ricky Lau besonders anschaulich nahe, indem er von einen alternden Meister der Parawissenschaften und seinen Schülern erzählt, die in zahlreichen artistischen Slapstickszenen schmerzlich erfahren müssen, was es heißt gegen Geister und Untote anzutreten. So ist Mr. Vampire eine runde Eastern-Horror-Komödie, die sich auch im Westen großer Beliebtheit erfreut.

Das Tier II
(Philippe Mora, 1985)

Das Tier II ist der Versuch einer Fortsetzung am letzten Strohhalm, so daß man den Vorgänger nicht unbedingt kennen muß. Dieser Werwolfjäger-Trip nach Osteuropa wird umrahmt von einer New Wave Band und so wie deren Song Howling den Film trägt, so fällt auch Das Tier II mehr aus wie ein langes, surreales Musikvideo. Wie auf dem watteweichen Boden eines Gruselkabinetts bewegen sich die Figuren durch eine Horrorschau zwischen gothischem Flair und trashigen Bluteskapaden, umgeben von knisternder, animalisch-erotischer Spannung angeleitet von der Wolfsanführerin Stirba. Sybil Dannings strenge Gesichstzüge und pralle Oberweite in ihrem futuristischen Kostüm drücken den Zuschauer herrisch in seinen Sessel, um dieses schauerliche Kaleidoskop zu erleben und danach wie aus einem Traum zu erwachen, kaum in der Lage sich eines roten Fadens zu entsinnen. Das Tier II ist übertrieben, absurd und irgendwie tierisch unterhaltsam. Und Christopher Lee ist auch dabei.

American Monster
(Larry Cohen, 1982)
Die Grundlage von American Monster ist die Vermengung von Legenden. So wie sich Produzent Samuel Z. Arkoff und Regisseur Larry Cohen zusammentun, so mischen sich im Film Elemente aus hartem Detektivthriller mit dem Monsterfilm. Für die Geschichte um einen Ritualmörder und den Aztekengott Quetzalcoatl mitten in New York ließ man sich von der wogenden Splatterwelle inspirieren, so daß American Monster insgesamt eine sehr kauzige Horrorvision von den Straßen und Dächern der Stadt bietet. Nicht alles ist stimmig in diesem Low-Budget-Film, aber dann gibt es wieder so bezaubernd tolle Momente und vertraute Gesichter wie David Carradine, Michael Moriarty oder Richard Roundtree. Ein Liebhaberstück.

Das Dorf der Verdammten
(Wolf Rilla, 1960)
Eine Ortschaft im Banne des Unheimlichen. Als wenn Kinder den Erwachsenen nicht auch so schon manchmal vorkämen wie Außerirdische treibt es Wolf Rilla in diesem kleinen aber präzisen englischen Horrorfilm auf die Spitze. Stierenden Blickes bei leichenfahler Blässe übernehmen Kinder die kalte Herrschaft über Das Dorf der Verdammten. Nach dem Remake von John Carpenter vielleicht weniger Geheimtip, jedoch ein Film, der gerne noch öfter neu entdeckt werden darf.

Die Brut
(David Cronenberg, 1979)
Kleinwüchsige Dämonen bestimmen auch David Cronenbergs Die Brut. Die Verkörperlichung psychotischer Ängste und Aggressionen begleiten eine Therapie bei gebotener Gelegenheit für immens unheimliche Photographie. Der sehr persönliche Film ist durchsetzt von Metaphern wie von krebsartigen Geschwüren. Die Brut ist ein abgründiger Horrorfilm, welcher wie Eisklingen unter die Haut fährt. Keine leichte Kost, sondern voller Fragen über Ausgeglichenheit, Ethik und Moral.

Deathship
(Alvin Rakoff, 1980)
In Deathship findet sich eine kleine britisch-kanadische Ko-Produktion, der man durchaus eine Chance einräumen sollte. Es handelt sich um einen typischen Love/Hate-Streifen, der einerseits mit Logiktücken einer kostengünstigen Produktion zu kämpfen hat, andererseits nicht jedermanns Erwartungen entspricht. Wenn hier Schiffbrüchige eines Luxusliners auf einem Wrack Zuflucht finden, so ist kein anderer Mensch an Board. In fast meditativem Aufbau des unnachgibigen Gruselmahlwerks macht sich nun das Schiff selbstständig, um die Neuankömmlinge zu terrorisieren. Dieser ehemalige Vernichtungsdampfer der Nazis ist die Kulisse für Psychohorror und bizarre Situationen begleitet von sich steigernden Wahn ähnlich The Shining. Deathship sollte man der bilingualen Atmosphäre wegen unbedingt im O-Ton ansehen.

Hatchet for the Honeymoon
(Mario Bava, 1970)
Mario Bava versucht sich in Hatchet for the Honeymoon an einer rabenschwarzen Komödie. Dieser Mordsspaß um ein Brautmodengeschäft, dessen Betreiber mit der Axt junge Frauen in ihrer Hochzeitsnacht heimsucht ist abermals nicht auf funktionaler Ebene vollkommen, sondern zieht den Zuschauer durch Dekors und Lichtspiele in seinen Bann. Bavas Mischung aus Ruhe Sanft GmbH und Psycho ist ein Paradebeispiel des Style over Substance Prinzips. Hatchet for the Honeymoon ist ein morbider, cineastischer Lustwandel – ein Farbenrausch voller inszenatorischer Hingabe für einen Horrorthriller, dessen Verlauf sich leicht erahnen läßt. Doch wer das Kino liebt, wird entzückt dahinschmelzen.

Der Biß der Schlangenfrau
(Ken Russell, 1988)

Was noch als schrullig britischer Abenteuerfilm beginnt, entpuppt sich bald als exzentrische Adaption einer Bram Stoker Geschichte. Mit Der Biß der Schlangenfrau erzählt Ken Russell von einem mythischen Wurm, dessen Tötung traditionell gefeiert wird. Doch unstet wie leichtlebige Figuren offenbaren bald, daß der Schlangenkult noch lange nicht begraben ist. Verrucht und anstößig steigert sich Russell in einen psychedelischen Bilderreigen voller Obsession. Wenngleich der rote Faden dieses surrealen Festivals beizeiten nachgezurrt werden muß, so verliert man doch nie den Biß. Ein Horrortrip für Kenner.

Im Augenblick der Angst
(Bigas Luna, 1987)
Ein Film ist ein Film ist ein Film. Was trennt unsere Realität von der Leinwand? Wieviel Kino ist in uns? Bigas Luna heftet sich in Im Augenblick der Angst dem Schrecken an die Fersen. Horror auf der Leinwand setzt sich durch Mord im Kino fort. Durch die Parallelmontage verschiedener Handlungen verschmelzende Dimensionen entwickeln sich zu einer schaurigen Rückkopplung, über die der Regisseur mit dem offenen Zuschauer in den Dialog tritt. Wer im Horrorfilm die Tiefe vermißt, findet in diesem Geheimtip seine Erfüllung. Innovativ ist Im Augenblick der Angst allemal.

Begotten
(E. Elias Merhiges, 1990)
Ein optischer Trümmerhaufen. Als experimenteller Rundumschlag dieser (Wieder-)Entdeckungsreise soll nun E. Elias Merhiges Debütfilm die letzte Konvention von der Leinwand wischen. Begotten ist der cineastische Schöpfungsprozess und die Wiedergeburt, ein grobkörnig und in Schwarz/Weiß stark kontrastierter Rohrschachtest. Krustig, zeitlos, sprachlos entwickelt sich die primitive Darstellung zu einem organischen Eigenleben. Abstrakt-groteske Bilder werden dem Publikum zur Ordnung vorgeworfen. Kunst in Reinform, ein archaischer Ort, an dem man sich heimisch fühlt oder nicht. Begotten ist eine Erfahrung, die machen muß, wer im Kino sucht, wer nicht zimperlich ist und nicht alles aufgeschlüsselt erwartet.

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