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Gunan – König der Barbaren (1982)

‘Du bist mein großer Bruder’ tirilierten einst Zlatko und Jürgen. Und damit übermittelten sie unbewußt eine Prophezeiung. Zumindest für jene, die sich noch mit Bauwagen und sprechenden Ukulelen beschäftigten, als dieser mal wieder im Deluxe-Modus synchronisierte Italo-Bullshit auf die Menscheit losgelassen wurde. Doch dazu später. Um den Big Brother geht es gewissermaßen in unserem heutigen Exempel des Schreckens. Gunan – König der Barbaren, das Grauen eines Landes jenseits unserer Vorstellungskraft. Wer zuvor schon den deutschen Trailer gesichtet hat, wird etwas enttäuscht sein, denn Francesco Prosperis vorletzter Film, aus dessen zusammengefegten Resten noch The Throne of Fire wurde, ist quasi schon der Open Air Recyclinghof der just angebrochenen Barbarenwelle.
Im Film selbst nun klingen die Kompositionen von Roberto Pregadio durchaus noch in ihrer Rhythmik und Melodieführung dem erfolreichen Score des großen Basil Poledouris für Conan – Der Barbar nahe, doch nicht mehr ganz so dreist identisch. Dafür klingt der Stahl (manchmal) in Gunan – König der Barbaren, zu dessen Geheimnis in diesem Fall nur ein Amazonenstamm den Zugang besitzt. Außerdem spielen diese noch Leihmütter für die Samen anderer Barbaren. Leider wird diesem Aspekt viel zu wenig nachgegangen.

Erstaunlich linear erleben wir das Resultat eines Überfalls der fiesen Bösewichte, welche die Geburt des sternbestimmten Rächers Gunan zu verhindern suchen. Dieser überlebt nicht nur, um den Tod seiner Eltern zu sühnen, sondern hat gleich noch einen Zwillingsbruder an der Nebensäule zapfen lassen. Folglich streitet man sich nun ausgewachsen darum, wer sich Gunan – König der Barbaren schimpfen darf. Dabei gibt es nicht einmal viele Zweifel daran, ist doch Pietro Torrisis Rolle mit dem Aushilfsnamen Zukahn belegt, während Brüderchen (Giovanni Cianfriglia) namenlos bleibt. Außerdem wird Pietro Torrisi von Thomas Danneberg (unter anderem auch Arnold Schwarzenegger) gesprochen und Giovanni Cianfriglia (lediglich) von Manfred Lehmann (Bruce Willis, Dolph Lundgren). Das Konzept ist denke ich nachvollziehbar, wer stirbt hier langsam?
Abseits der eingangs noch atemberaubenden Pferdezahlen reduziert man sich nun auf einen Zweikampf herunter, welcher mit viel wettrennen in gemütlicher Zeitlupe die Handlung im Gegensatz zur sprichwörtlichen Laufzeit nicht voranbringt. Insgesamt glänzt Gunan – König der Barbaren damit, daß die Dramaturgie des einschlägig belasteten Piero Regnoli auch am Set spontan hätte improvisiert sein können. Am Ende geht es doch nur wieder um Rache und daß der liebe Gunan was zu rächen hat.

Ein romantischer Spaziergang am Strand ist in Gunan – König der Barbaren aber immer noch drin und das ist für die Fans von Sabrina Siani auch wichtig, steigt sie als Lenni, der wasserstoffblondesten unter den Amazonen doch nackig aus dem Meer und sorgt dann für einige Diskussion mit der Damenschaft, welche sie nicht als Gunans Weggefährtin sieht. Dafür wird sie später auch einmal zur Strafe nackt auf Gunans Bauch gebunden. Da kann man sich Schlimmeres vorstellen. Gut, Sabrina Siani wird derweil hinterrücks von Stacheln durchbohrt, aber irgendwas ist ja immer.
Nachdem sich die Zlatko und Jürgen der Barbarei (andere vergleichen mit Bata Illic, ein Christian Anders wäre vielleicht auch drin) nun aber entzweit hatten, muß ja noch die Rache folgen. Im Grunde genommen geht es in Gunan – König der Barbaren wie angemerkt ja die ganze Zeit um diese Selbstjustiz, nur daß man dem abendfüllenden Programm zweckdienlich die Zügel da sehr locker läßt.
Es schließt sich der Kreis. Nuriak (Emilio Messina), dieser ewig fiese Obermotz, Anführer der bösesten Schurken dieses Landstriches von Irgendwo, sieht mit seinem Bödefeld-Pony einfach haarklein so aus wie Big Brother Harry! Gesprochen wird er dann noch von Helmut Krauss, den Bauwagenkindern von damals eben bekannt als Peter Lustigs Nachbarn Hermann Paschulke. Ja, wie soll man so einen tappsigen Dreifachknuddel denn ernst nehmen?

So richtig sachlich und seriös war in der Produktion von Gunan – König der Barbaren wohl kaum etwas. Dafür bemerkt man ohne Mühe den Spaß, welchen die Italiener dabei hatten, sich in den notwendigen Kampfsequenzen durch die Gegend zu werfen. Da vollführen gestandene Männer ihre schon im Westerngenre perfektionierten Todestänze, lassen sich von Plastikschwertern streicheln, um dann theatralisch zu Boden zu gehen oder tatsächlich nach dem Schnitt eine Pfütze Kunstblut auf dem Körper zur Schau zu tragen. Aus dem Off spritzt dann vor der Kamera auch mal ein Schluck rote Suppe oder es fliegt hier und da mal ein sehr eigenwilliger Plastikkopf aus der Ecke geworfen durchs Bild.
Das gebotene Niveau unterwandert sogar noch Gurken wie Thor – Der unbesiegbarere Barbar, welcher sich durch seine Durchschnittlichkeit auszeichnete. Derweil besitzt Gunan – König der Barbaren machwerkische Eigenschaften, die sich mit dem Klamauk von Amateurfilmen messen können. Stets glaubt man daran, der gerade zu Boden gegangene Recke könnte sich in einem Lachanfall kugeln. Nie kommt Spannung auf, aber der wenig originelle Score schleppt die trägen Bilder unnachgibig voran. Natürlich ist es die deutsche Sprachversion, welche mit den aufgerufenen Stars für Unterhaltung sorgt und selbstverständlich ist es am Ende Sabriana Siani, die immer als Eye-Candy funktioniert. Genau deshalb liegt meine Ausgabe von Gunan – König der Barbaren auch schon im Einsatzkoffer für den nächsten Videoabend, um das nächste Folteropfer zu erreichen.

Das Lexikon des Internationalen Films bringt es in einem Satz auf den Punkt: Eine trivial-dümmliche, filmisch einfallslos inszenierte Geschichte, die sich des Prinzips eines sehr vulgären Sozial-Darwinismus bedient, nach welchem der Stärkere überleben darf.

Originaltitel: Gunan il guerriero
Deutsche Alternativtitel: Gunan – König der Barbaren; Mervians Sohn
Produktionsland: Italien
Produktionsfirma: Leader Films
Erstaufführung: 09.09.1982, Italien
Regie: Francesco Prosperi
Autoren: Piero Regnoli
Produktion: Pino Buricchi
Musik: Roberto Pregadio
Kamera/Schnitt: Pasquale Fanetti, Alessandro Lucidi
Darsteller: Pietro Torrisi (dt. Thomas Danneberg), Malisa Longo (dt. Alexandra Lange), Giovanni Cianfriglia (Manfred Lehmann), Emilio Messina (dt. Helmut Krauss), Rita Silva (dt. Liane Rudolph), Fortunato Arena (Jürgen Kluckert), Franco Galizi, Philip Banks, Alba Maiolini, Sabrina Siani (dt. Katja Nottke), Ennio Antonelli, Bruno Di Luia u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot

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