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Gorath – Ufos zerstören die Erde (1962)

Intergalaktischer Stierkampf: Ausweichmanöver um jeden Preis

Gorath - Ufos zerstören die Erde (1962) DVD von Cine Club
Yôsei Gorasu
Ufos zerstören die Erde
(1962, Japan)
Regie: Ishirô Honda
mit Ryô Ikebe, Yumi Shirakawa, Akira Kubo, Kumi Mizuno, Hiroshi Tachikawa u.a.
DVD von Cine Club
Dieser Film von Ishirô Honda, der in den 50ern mit Godzilla seinen Weltruhm begründete, ist ein erstklassiges Beispiel dafür, was eine Industrie mit einem Werk macht, wenn niemand Kontrolle darüber ausübt. So ist auf dem Weg bis zur Erstaufführung als Ufos zerstören die Erde einiges mit dem Katastrophenfilm passiert, in dem eigentlich gar kein Ufo nach volksmündlichem Maßstab vorkommt, sondern eine Art Meteorit namens Gorath, dessen Flugbahn die Erde bedroht.
Diese Katastrophenfilme der frühen 60er Jahre setzen etwas fort, was in den 50er Jahren bereits mit den Kaiju Eiga begonnen hatte. Japanische Monsterfilme waren durchaus beliebt in den USA, doch ging es zum einen in den Filmen ja um einen Ausdruck des Traumas, welches die Vereinigten Staaten mit ihren Atombombenangriffen auf Japan hinterlassen hatten und zum anderen verarbeiteten die Filmemacher in den phantastischen Stoffen die Emotionen, welche die Sandwichsituation zwischen den Kontrahenten des Kalten Krieges nebst stets präsenten Naturgewalten in den Japanern aufwühlte. Es ist nachvollziehbar, daß die Amerikaner da ein paar Veränderungen an den Filmen vornehmen wollten, jedoch wurden Werke wie Gorath – Ufos zerstören die Erde nur noch verstümmelt.

In erster Linie wählte man natürlich die Synchronisation als Weg der Verfälschung, doch manche Szene eignete sich offenbar gar nicht für den amerikanischen Markt. Gorath – Ufos zerstören die Erde gehört zu den Opfern dieser Denkweise. Manches Mal traute man dem westlichen Publikum sehr wenig zu, versuchte dann Sachverhalte anders zu erklären. Es ist schon eine massive Bevormundung, wenn die japanische Erzählweise derart in Frage gestellt wird, daß minutenweise Kürzungen vorgenommen werden.
Der 1961er Todesstrahlen aus dem Weltall (in dem es natürlich keine Todesstrahlen gibt) wurde zum Beispiel um eine gute halbe Stunde erleichtert, was die Vermutung nahe legt, es sei zu dieser Zeit auch um die Verramschung in Schundkinos gegangen, welche an Epen nicht interessiert waren. Manche Filme dieser Zeit wurden auch nur fürs Fernsehen verwurstet.
Das Schreckliche hieran ist eigentlich, daß die deutsche Lizensierung dieser japanischen Science-Fiction-Filme seiner Zeit einen Umweg über die USA nahm. Es wurden also in der Regel die us-amerikanischen Fassungen übernommen und zumeist, sofern sich die deutsche Synchro überhaupt an etwas orientierte, aus dem Englischen übersetzt. Auch Gorath – Ufos zerstören die Erde ist also eine Art Stille Post Film, in dem versucht wird, aus einem durchaus ernst gemeinten Werk einen noch ernsteren Streifen zu gestalten. Der deutsche Trailer schreibt den Film dann sogar noch dem großen amerikanischen Regisseur G. Welles [sic!] zu.

In den 90ern hat Hollywood ja selbst versucht, auf einer neuen Katastrophenwelle surfend die eine oder andere Gefahr aus dem All abzuwehren. Michael Bays Armageddon ist mit seiner Asteroidenbedrohung recht nah an dem, was Ishirô Honda in Gorath – Ufos zerstören die Erde quasi vorweg nimmt. Der gigantische Komet in Deep Impact zeigt vielleicht noch mehr von der Ohnmacht der Menschen, wenn ein Himmelskörper auf die Erde zurast und straft mit seiner hanebüchenen Qualität gleichzeitig diejenigen ab, die es tatsächlich wagen, die Errungenschaften des phantastischen Japankinos einzig im abfälligen Trash-Jargon zu betrachten.
Ein Vorbild für dieses Subgenre der Weltuntergangsszenarien dürfte wohl Rudolph Matés Der jüngste Tag darstellen, welcher bereits 1951, also zur frühen Stunde der amerikanischen Science-Fiction Hochzeit der 50er Jahre, einen Umgang mit der Apokalypse durch herannahende Gestirne und Planeten heraufbeschwor. Für Gorath – Ufos zerstören die Erde scheint man sich jedoch zusätzlich eines Kniffes zu bedienen, den Val Guest gerade 1961 in seinem Film Der Tag, an dem die Erde Feuer fing präsentiert hatte. Während dort die Zündung von Nuklearwaffen für eine Verschiebung der Erdachse verurteilt wird, soll in Gorath – Ufos zerstören die Erde die Veränderung der Erdumlaufbahn gerade die Rettung darstellen.

Wir alle wissen natürlich, was für ein unglaublicher Schwachsinn das ist und bei aller infantiler Phantasie wird das auch in den 60ern halbwegs klar gewesen sein. Das ist aber ja auch das schöne an Science-Fiction, die eben alles zu Gunsten der Story für funktional erklären darf. Heute wird sowas im Realitätsdrang eher vermiesepetert, während die klassische Phantastik ganz selbstverständlich Spinnerei mit Dingen verknüpfte, die als Vision bis hin zur Verwirklichung weiter geträumt worden sind. Außerdem sind diese Gespinste guter Nährboden für gesellschaftliche Metaphern, die auch in der Originalfassung von Gorath – Ufos zerstören die Erde eine starke Rolle spielen.
Eigenlich ist es ja schon erschreckend, wenn man plötzlich feststellen darf, daß ausgerechnet Szenen mit den Vereinten Nationen der amerikanischen Schere zum Opfer gefallen sind. Andere Kürzungen betreffen unter anderem Gesangseinlagen, die indirekt die Stimmung zwischen Bedrohung und Heldenpathos nachvollziehbar machen. Daß die US-Version beziehungsweise die deutsche Kinofassung von Gorath – Ufos zerstören die Erde mit allerlei zusätzlichem Kartenmaterial und teils rückwärts wiederholten Einschüben gestreckt wird, soll die Laufzeit etwas ausgleichen.

Woran Gorath – Ufos zerstören die Erde in allen Fassungen etwas kränkelt ist die eloquente Dialogisierung des Szenarios. An diesem Punkt mag der Zahn der Zeit zugeschlagen haben, denn es handelt sich durchaus um eine Eigenschaft, die sich in Weltraumfilmen der ganzen Welt wiederfinden, die in den 50ern und 60ern entstanden sind. Astronauten und Wissenschaftler beschäftigen sich im Detail mit dem Phänomen und reizen so den Anteil statischer Kulissen, ob nun Büros, Schaltzentralen oder Raumschiffe, weitläufig aus, bis die Effektabteilung etwas mehr zu tun bekommt.
Für Gorath – Ufos zerstören die Erde bedeutet dies natürlich den exzellenten Einsatz von Miniaturen, die zumeist dafür verwendet werden, in der Antarktis einen infernalen Antrieb zu errichten. Dieser soll die Erde in ihrer Umlaufbahn soweit verschieben, daß Gorath vorbeisausen kann. Ganz reibungslos gelingt dies nicht, weshalb es ferner zu Turbulenzen auf dem blauen Planeten kommt, die wiederum von Tohos Effektprofis wie Eiji Tsuburaya und Akira Watanabe in Szene gesetzt werden.
Laut IMDb handelt es sich bei den verwendeten Schiffs- und Helikopter-Modellen um reguläre Bausätze der Firmen Revell und Aurora, die teilweise immer noch aufgelegt werden. Dies erklärt vielleicht auch die gleichzeitige Begeisterung über derartige Szenen, die von Filmfans ausgeht, die einen Bezug zum Modellbau haben und von Modellbauern, die sich speziell für diese Filme erwärmen können.

Die Überraschung folgt in der Originalfassung, wenn man bisher nur die gekürzte Version von Gorath – Ufos zerstören die Erde kannte. In den chaotischen Wogen, in der die tapferen Helden um die Rettung der Erde kämpfen, erhebt sich plötzlich ein gigantisches Walrossmonster feinster kaiju-art, um seinerseits für ein wenig Verwüstung zu sorgen. Einen Sinn ergibt der Auftritt von Magma nicht, aber Produzent Tomoyuki Tanaka wünschte sich offenbar aus marketingtechnischer Sicht eine derartige Einlage. So überzeugt die Japaner ihre Monsterdarsteller sonst zur Kunstform erheben, dieser kostümierte Auftritt ist technisch wie schauspielerisch nicht überzeugend genug, um ein Schmunzeln auch des beinhartesten Fans zu unterbinden. Dabei steckt im Kostüm kein geringerer als Haruo Nakajima, der als Godzilla, Rodan oder Baran den Stil der klassischen Kaiju Eiga mit geformt hat. Die amerikanischen Verleiher von Brenco Pictures fühlten sich hingegen an Wally Walrus aus den Woody Woodpecker Cartoons erinnert und setzten gnadenlos die Schere an.
Gorath – Ufos zerstören die Erde ist also ein kleiner Ritt auf rohen Eiern zwischen höchstwissenschaftlichem Geschwafel, ein paar skurrilen Einlagen, zu dem auch ein sinnfremder Gag in einem Roboterkostüm gehört, der zwiespältigen Walrosszene, typischem Astronautenkitsch und eben den ansonsten knorke inszenierten Abwehrversuchen und Folgen der Gorath-Annäherung an die Erde. Dabei betten all diese Szenen schließlich die wichtige Botschaft des Films ein.

Wie im 79er Sci-Fi Film Meteor nur durch eine Kooperation der beiden Mächte USA und Sowjetunion eine Lösung gefunden werden kann, liegt trotz der wesentlichen Arbeit der Japaner doch das Zusammenwirken der Vereinten Nationen der Lösung zu Grunde. So gehört Gorath – Ufos zerstören die Erde in der ursprünglichen Fassung zu den Filmen, die eine gesellschaftskritische Note in eine Vision von einer irdischen Zukunft wandeln, in der ein Zusammenhalt der Erdenbürger zu einem Überleben im friedlichen Miteinander führt. Zeitgleich schwingt die traurige Wahrheit mit, dieses Ziel nur im Rahmen einer globalen Bedrohung erreichen zu können. Noch trauriger eigentlich ist, daß die globale Bedrohung heute vom Menschen ausgeht und die Menschheit eben nicht in der Lage ist, am selben Strang zu ziehen.

Gorath – Ufos zerstören die Erde wurde erstmals in Zusammenarbeit von Retrofilm und Cine Club in der originalen japanischen Fassung auf DVD in Deutschland veröffentlicht. Im Bonusmaterial findet sich die deutsche Kinofassung. Die Hauptfassung ist auf japanisch mit deutschen Untertiteln vorhanden. Außerdem wurde die deutsche Synchro auch hier angelegt und die zusätzlichen Szenen deutsch untertitelt. Verschiedene internationale Trailer zeichnen einen Überblick über die unterschiedlichen Ansätze, Gorath – Ufos zerstören die Erde dem Publikum nahe zu bringen. Zusätzlich gibt es eine Bildergalerie. Bis auf das knapp 30-minütige Interview mit Teruyoshi Nakano sind alle diese Features auch auf der wesentlich billigeren DVD von Dynasty Films enthalten. Nach der Insolvenz des Vertriebes Intergroove scheint diese Auflage jedoch langsam aus den Händlerprogrammen zu verschwinden.
Auch die Science Fiction Classic Box Vol. 1 von MiG/EuroVideo ist nur noch gebraucht und in Restposten zu finden. Zusammen mit Apocalypse – Das Ende der Welt, Die Todesgalaxie und Todesstrahlen aus dem Weltraum kann man Gorath – Ufos zerstören die Erde als Doppel-DVD zwar schon ab vier Euro finden, jedoch handelt es sich bei den beiden japanischen Filmen laut Informationen im Internet um auf der deutschen Kinofassung basierende Integralfassungen, die mit dem dialoglosen Material der Filme aufgefüllt worden sind. Bei Gorath – Ufos zerstören die Erde wurde nach diesen Angaben die Walrossszene mit Magma eingefügt.

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Andere Reviews zu Gorath – Ufos zerstören die Erde
Ergänzende Informationen

OFDb, IMDb, Wikipedia (en), Moviepilot, Deutscher Trailer

Daten zu Gorath – Ufos zerstören die Erde
  • Originaltitel: Yôsei Gorasu
  • Deutscher Alternativtitel: Ufos zerstören die Erde; Gorath; Ufos vernichten die Erde
  • Regie: Ishirô Honda
  • Autor: Takeshi Kimura, Jôjirô Okami
  • Darsteller: Ryô Ikebe (dt. Gernot Duda), Yumi Shirakawa (dt. Marion Hartmann), Akira Kubo (dt. Ivar Combrinck), Kumi Mizuno (dt. Heidi Treutler), Hiroshi Tachikawa, Akihiko Hirata, Kenji Sahara, Jun Tazaki (dt. Alexander Allerson), Ken Uehara, Takashi Shimura (dt. Bruno W. Pantel), Seizaburô Kawazu, Kô Mishima, Sachio Sakai, Takamaru Sasaki, Kô Nishimura, Eitarô Ozawa, Masanari Nihei, Kôzô Nomura, Keiko Sata, Hideyo Amamoto, George Furness, Ross Benette, Jun’ichirô Mukai, Nadao Kirino (dt. Hannes Gromball), Fumio Sakashita, Ikio Sawamura, Toshihiko Furuta, Yoshiyuki Uemura, Rinsaku Ogata, Kôichi Satô, Masayoshi Kawabe, Yasushi Matsubara, Tadashi Okabe, Kôji Uno, Yukihiko Gondô, Ken’ichirô Maruyama, Yasuhiko Saijô, Katsumi Tezuka, Akira Yamada, Hiroshi Takagi, Koji Suzuki, Wataru Ômae, Ichirô Shôji, Yasuo Araki, Hideo Shibuya, Kazuo Imai, Takuya Yuki, Koji Ishikawa, Yûsuke Suzuki, Takuzô Kumagai, Hiroshi Akitsu, Enver Altenbay, Ryûtarô Amami, Henrî Ban, Hank Brown, Ichirô Chiba, Kenzô Echigo, Bin Furuya, Ted Gunther, Shinjirô Hirota, Hans Horneff, Tazue Ichimanji, Toku Ihara, Saburô Iketani, Minoru Itô, Ralph Jesser, Saburô Kadowaki, Kuniyoshi Kashima, Yoshio Katsube, Keiichirô Katsumoto, Shigeo Katô, Ikuo Kawamura, Hikaru Kitchôji, Akio Kusama, Edo Kîn, Senshô Matsumoto, Masahide Matsushita, Jirô Mitsuaki, Haruo Nakajima, Takashi Narita, Junpei Natsuki, Yutaka Oka, Keiji Sakakida, Haruya Sakamoto, Ryôji Shimizu, Junnosuke Suda, Haruo Suzuki, Kamayuki Tsubono, Keisuke Yamada, Shin Yoshida, Osman Yusuf, Yasuo Ônishi, Hideo Ôtsuka
  • Deutsche Synchronfassung: Studio 70, München
  • Erstaufführung: 21.03.1962, Japan
  • Produktionsland: Japan
  • Produktionsfirma: Toho Company
  • Produktion: Tomoyuki Tanaka
  • Kamera: Hajime Koizumi
  • Schnitt: Reiko Kaneko
  • Musik: Kan Ishii
  • Special/Visual Effects: Teruyoshi Nakano, Kan Narita, Sokei Tomioka, Eiji Tsuburaya, Akira Watanabe, Kôichi Kawakita, Sadamasa Arikawa, Kuichirô Kishida, Yukio Manoda, Hiroshi Mukoyama, Taka Yuki
  • Stunts: Haruo Nakajima

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