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Fright Night (2011)

Wenn man heute einen Text über eine aktuelle Kinoproduktion verfasst, so steht man häufig in der Versuchung über die Unnötigkeit von Remakes, Reboots und 3-D zu philosophieren. Bei Fright Night war das Gefühl nicht ganz so negativ durchwachsen, zumal Produzent Mike De Luca schon zu Beginn über das Konzept sagte, daß es doch lustig wäre, wenn in Zeiten des popkulturellen, romantischen Vampirismus ein Blutsauger in der Nachbarschaft einzieht, der einfach ein richtiger Killer ist und von Liebe nichts wissen möchte. Doch ist das Grund genug, einen weiteren Kultfilm aus den 80ern wieder auferstehen zu lassen? Das Stichwort ist Ausgewogenheit.
Ein Film wie Fright Night – Die rabenschwarze Nacht steht für sich und seine Zeit, ist heute noch qualitativ hochwertig und gleichwohl mitnichten vergleichbar zu aktuellen Horrorproduktionen. Man entschied sich für die einzig logische Konsequenz, weniger ein Remake zu erstellen, sondern eine moderne Neuverfilmung des Stoffes anzustreben, die das Vorbild nahezu als Genrekonvention verarbeitet, mit der gespielt werden kann. Es verwundert also nicht, wenn Motive Verwendung finden, in den Abläufen jedoch variiert werden.

Es bleibt dabei, daß der neue Nachbar eines durchschnittlichen Teenagers nach und nach als Vampir entlarvt wird. Ein streng rechtwinklig angeordnetes Wohnviertel in Las Vegas bietet die Kulisse. Ist die Wüste nach Filmen wie Sundown – Der Rückzug der Vampire oder Near Dark – Die Nacht hat ihren Preis schon lange keine ungewohnte Heimat mehr für den amerikanischen Blutsauger, so bietet die Stadt der Sünde doch außerdem den Vorteil, daß man hier ohnehin pflegt, die Nacht zum Tage zu machen. Auf den ersten Blick ist für den Fright Night Fan die Figur des Peter Vincent der größte Schock, machte man aus David Tennant hierzu doch einen abgehalfterten Okkult-Schausteller etwa nach dem Muster von Criss Angel.
Erstaunlicherweise erscheint dies nur natürlich für den postmodernen Ansatz vom neuen Fright Night. Gerade die nahezu zynische Überzeichnung zeitaktueller Bezüge entlockt den Szenen einen frisch-frechen Humor, welcher großen Einfluß auf die Qualität des Films ausübt. Die Figuren wirken abgeklärter. Charley Brewster (Anton Yelchin) ist in diesem Fall so etwas wie ein Ex-Nerd, den sich seine heiße Freundin Amy (Imogen Poots) ganz bewußt ausgeguckt hat, was in der Schule niemand so recht versteht. Ihre Hingabe scheint etwa die Quintessenz aus dem erotischen Spannungsfeld zwischen Leonard und Penny in The Big Bang Theory, nur daß der Keil in diese Traum-Liaison von Charlies ehemaligen Geek-Kumpel Ed getrieben wird. Mit einer kleinen Reprise von Christopher Mintz-Plasses Rolle in Kick-Ass wird Charley erst mit Nachdruck auf die Geschehnisse auf der anderen Seite des Gartenzauns aufmerksam.

Ungewöhnlich für einen 3D-Film kommt die Technik in Fright Night kaum überflüssig zum Einsatz. An wenigen Stellen bemerkt man die Schwächen von Digital-3D. Dunkle Szenen tendieren zu einem leicht milchigen Schleier und auch sehr helle Stellen fallen durch Unschärfen auf. Gerade in den wenigen Szenen, wo Objekte bewußt auf den Zuschauer gerichtet werden, macht der Fokus den Effekt leider zunichte. Ungeschickte Bildkompositionen wie plötzlich im Vordergrund und daher für den Zuschauer aus dem Nichts aufpoppende Personen sind sehr selten aufzufinden. Harte Konturen sorgen dauerhaft für einen räumlichen Eindruck, an den man sich jedoch schnell gewöhnt. Gerade in den pompösen Proportionen der Residenz von Peter Vincent verschafft die Technik einen Mehrwert, der nur durch den sich über den gesamten Saal legenden Funkenregen übertroffen wird, sobald ein Vampir unter Sonnenlicht zerbirst.
Was unter cineastischen Gesichtspunkten begrüßenswert erscheint, ist für den Geldbeutel eine Gewissensfrage. Immerhin handelt es sich bei Fright Night um einen Film, der auch in 2D wunderbar funktionieren würde. Es sind ganz klar die exorbitanten Aufschläge an den Kinokassen, die eine Entscheidung beeinflussen. Hier wird dann auch deutlich, warum viele Produktionen Wert auf Attraktions-Schaustellerei legen. Da hier jedoch die 3D-Gestaltung immer klar der Handlung untergeordnet ist, nur zu deren Verstärkung eingesetzt wird, muß jeder für sich selbst festlegen, ob ein Kinobesuch unter diesen Gesichtspunkten sinnvoll ist.

Insgesamt muß man vor Fright Night den Hut ziehen, handelt es sich wohl um das Optimum, welches man aus einem Film herausholen kann, den man gar nicht benötigt hätte. Auch wenn klassische Vampirmythen in den Hintergrund geraten und deutlich wird, wie sehr sich das Horrorkino doch gewandelt hat, so schmeckt eine Einstellung der Macher durch, die dem Fan alter Tage verheißt, hier einfach gemeinsam durch zu müssen. Es scheint eine Gratwanderung zu sein, die Buffy-Autorin Marti Noxon ohne Straucheln zwischen Ansprüchen an einen modernen Genrestreifen und einer hinterhältigen Bissigkeit gegenüber kontemporären Lebensstil balanciert und so auch dem gesetzteren Zuschauer etwas zu bieten hat. Vielleicht war es dabei kein schlechter Schachzug, mit Craig Gillespie einen Regisseur zu verpflichten, welcher seine Erfahrungen bisher im Bereich der Komödie sammelte.
Freilich ist es auch die gelungene Darstellung Colin Farrells als Hauer bleckender Fiesling, den man trotz Sippenverbundenheit schon fast als mondänen Charakter beschreiben kann, die der an den richtigen Stellen drastifizierten Neuverfilmung Überraschung wie Feuer gibt. Der Abspann erfolgt fast auf die Millisekunde genau in dem Moment, wo man dann “Punkt” sagen möchte. Der neue Fright Night ist somit eine funktionierende Angelegenheit, die man genau so als gelungen stehen lassen möchte. Hoffen wir, daß die Produzenten dies genauso sehen und das Franchise nicht noch weiter melken wollen. Immerhin hat der 88er Mein Nachbar der Vampir, der ja quasi schon eine Neuauflage des alten Prinzips war, gezeigt, daß sich die Charmepunkte der Geschichte mit zunehmender Erfahrung der Figuren im Umgang mit Vampiren auflösen.

Originaltitel: Fright Night
Produktionsland: Großbritannien, USA
Erstaufführung: 14.08.2011, Empire Big Screen, Großbritannien
Regie: Craig Gillespie
Darsteller: Colin Farrell, David Tennant, Anton Yelchin, Christopher Mintz-Plasse, Toni Collette, Dave Franco, Imogen Poots, Grace Phipps, Reid Ewing, Emily Montague, Sandra Vergara, Chelsea Tavares, Chris Sarandon u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia

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