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Flight Girls – Blondinen im Anflug (2003)

Mädchen mit dem Traum, über den Wolken nicht nur Saft zu schubsen

View from the Top
aka Flight Girls – Blondinen im Anflug
(2003, USA)
Regie: Bruno Barreto
mit Gwyneth Paltrow, Christina Applegate, Mark Ruffalo, Kelly Preston, Rob Lowe, Mike Myers u.a.

Flight Girls – Blondinen im Anflug erzählt von der in schlechten Verhältnissen aufgewachsenen Donna (Gwyneth Paltrow). In einem Moment der Depression auf das Buch einer leidenschaftlichen Stewardess aufmerksam geworden, zieht die junge Frau in die Welt hinaus. Bei dieser als Fluchtverhalten zu klassifizierenden Reaktion ist es Donna zunächst egal, ob sie für eine Billig-Airline im knappen Outfit wenig glamourös Käse- und Kochschinkensandwiches über den Gang schubst.
Es braucht ein bisschen Zeit, bis der ohnehin deutlich unter 90 Minuten laufende Streifen soweit in Fahrt kommt, daß dieses Vehikel abheben kann. Etwas ungelenk führt Bruno Barreto in die Geschichte vom altbekannten amerikanischen Traum ein, in dem jeder etwas aus sich machen kann, der sich nur genügend anstrengt. So einen Streifen kann man eigentlich gar nicht verhauen, wenn es nur genug Pathos gibt.
Gelinde gesagt verlangt Eric Wald, der bisher nie wieder in Erscheinung getreten ist, dem Zuschauer mit seinem Drehbuch einiges an Phantasie ab. Schließlich liefert Flight Girls eher grobe Eckdaten einer Romanze, die am Ende wesentlicher Bestandteil dieses als Komödie deklarierten Unterhaltungsdramas liefert.

Der Ausbilder mit dem Silberblick und ein plötzlicher Karriereknick

Eine willkürliche Bikiniszene unter den zu Freundinnen gewordenen Stewardessen täuscht kaum darüber hinweg, daß die Darstellerinnen (unter anderem die unterfordert wirkende Christina Applegate) zwar gewohnt schnuckelig aussehen, aber bei der Wahl der Uniformen kein gutes Händchen angelegt wurde. Auch die Hoffnung auf das anregende Potential dieses Mosaiksteins von Flight Girls wird also zerbrochen.
Schlimmer noch kommen die Figuren nicht über die Wirkung von hypnotisierten Hülsen in einem strategischen Stellspiel hinaus. Als Donna in ihrem Duracell-Hasen-Modus zur Einschreibung an einem Stewardessen-Lehrgang für Royalty Air aufruft, trifft Gwyneth Paltrow auf Mike Myers, mit dem sie schon an Austin Powers in Goldständer gearbeitet hatte. Eine größere Harmonie ist deshalb in Flight Girls nicht zu erkennen.
Myers Rolle des strebsamen Flugbegleiters, der zwar die Höchstnote erreichen konnte, jedoch aufgrund einer Fehlstellung seiner Augen nicht im Flieger arbeitet, verlangt dem Schauspieler wenig seines komischen Talents ab. Reduziert auf seinen Blick sind seine verhaltenen Ausbilder-Schikanen Ansporn für Donna, die entgegen ihrer Freundin Christine nach dem Prüfungsergebnis nur für die Low-Budget-Linien der Royalty Air eingesetzt werden soll.
In Cleveland gestranded soll die junge Frau also das eigentliche Ziel, in der ersten Klasse einer Fluglinie nach Paris zu arbeiten aus den Augen verlieren? Da passt es doch, daß Donna dort Ted (Mark Ruffalo) wiederbegegnet, angehender Jurist und ihr zufällig aus der oben erwähnten Bikini-Sequenz bekannt. Als sei dies nicht genug Beispiel für die sichtbaren Konstruktionsnähte von Flight Girls entscheidet sich Donna zunächst dafür, Ted zu Gunsten des Jobs auf Interkontinentalflügen zu verlassen, nachdem sie herausbekommt, daß ihr ein falsches Prüfungsergebnis untergeschoben worden war.

Über den Wolken muß Selbständigkeit nicht grenzenlos sein

Was Flight Girls – Blondinen im Anflug uns über das Leben lehren soll, ist offenbar das Hü und das Hott in einem Leben auf dem Weg zu einem Ziel, welches man nocheinmal überdenkt, wenn man es erreicht hat. Mit dem Originaltitel View from the Top spielt man offenbar absichtlich auf das Gewinnen dieses Abstands an, der manchmal nötig ist, um zu erkennen, was man eigentlich will.
Ist das so? Nun, manchmal ist es sicherlich nicht falsch, sich eine andere Perspektive zu verschaffen. Flight Girls glänzt aber nicht damit, Gwyneth Paltrows Figur in einem derart zerrissenen Stand der Emotionen darzustellen. Sicher ist sie vorbelastet und ohne positive Erfahrung des Zusammenseins wenig vorbereitet auf das Glück, welches Teds Familie zu Weihnachten in eine Tracht aus roten Wollpullovern geschmiegt zugegeben merkwürdig zelebriert.
Auch Donna uniformiert sich in ihrem Karrieremodell frei nach den Schriften ihrer Mentorin. Dieses Bild ist exemplarisch für Flight Girls. Schließlich fiel diese Wahl äußerst beliebig aus, ist die Stütze für Donna doch, sich besonders erfolgreich einzufügen.
Deshalb befriedigt das Finale von Flight Girls auch kaum, obwohl wir erstmals eine seelisch befreite Donna erleben, die ihre Pflicht mit der Lockerheit des Rock’n'Roll erfüllt. Was sagt uns denn, daß sie nicht bald wieder ausbrechen möchte?
Flight Girls liefert ein seltsam verformtes Abbild einer modernen Frau auf dem schlingernden Selbstfindungskurs. Man will es ihr hoch anrechnen, daß sie nicht auf die Idee kommt, Teds Avancen im zukünftig gut gepolsterten Nest eines Anwalts als Ehefrau und Mutter zu nutzen. Hingegen macht Donna die Tatsache unsympathisch, daß sie zwar ihr Leiden feststellt, Impulse und Aufforderungen zur Lösung jedoch stets von Außen auf sie wirken.

Unter oberflächlich polierter Haube erstaunlich konservativ

Es ist lediglich ein Neuanstrich des Modells von Hilflosigkeit, die kleine Mädchen vielleicht zu Fleiß, nicht jedoch zur Emanzipation anleitet, wenn sie die Story mit ihren Barbie-Puppen nachspielen, während die von Kritikern verhalten als ambivalent gelobte Handlung von Flight Girls eine freundliche Umschreibung des Zufalls ist, durch den es hier um Flugbegleiterinnen und nicht Soldatinnen oder Landwirtinnen geht. Dabei verzichtete man nicht nur auf einen großen Bösewicht, auch einige Klischees wurden ausgelassen, was die Welt der Flugbegleitung sauberer und harmloser erscheinen läßt.
Der deutsche Verleih hat dann noch die Tagline Blondinen im Anflug dazuerfunden. Es hätte sogar ein Wettbewerb mit Natürlich blond werden können. Bevor Flight Girls schließlich 2003 im Kino floppte, war der Film für Weihnachten 2001 geplant, hatte dann aber einige Evolutionsstufen zu überwinden. Die wesentlichste Änderung sicherlich ist die Entfernung einer Ausbildungsszene, welche den Umgang mit Terroristen behandelt. Angesichts 9/11 seinerzeit nachvollziehbare Schritte. Im Nachhinein beschreibt Gwyneth Paltrow Flight Girls als “terrible”. Da ist was dran.

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  • Originaltitel: View from the Top
  • Deutscher Alternativtitel: Flight Girls – Blondinen im Anflug
  • Regie: Bruno Barreto
  • Autor: Eric Wald
  • Darsteller: Gwyneth Paltrow, Christina Applegate, Mark Ruffalo, Candice Bergen, Joshua Malina, Kelly Preston, Rob Lowe, Mike Myers, Marc Blucas, Stacey Dash, Jon Polito, Concetta Tomei, Robyn Peterson, Nadia Dajani, John Francis Daley, Chelsey Cole, Troy Evans, David Hayward, Jorge R. Hernandez, Duane King, Christina Malpero, Merrilee McCommas, Mary McNeal, Stephanie Miller, Susan Mosher, Emile Ohayon, Frederick Coffin, Daniel Raymont, Donnamarie Recco, Matt Roth, Connie Sawyer, Priscilla Taylor, Jon Tenting, Jeff Yagher, Jessica Capshaw, Andrew Chitko, Taylor Colman, Roark Critchlow, Chad Everett, Wayne Federman, Gavin Fink, Scott Ford, Brad Hanson, Victoria Kelleher, George Kennedy, Christian Miller, Payton Miller, Paula M. Neiman, Frank Novack, Amy Oberer, Clarinda Ross, Ward Shrake, Valentin Siroon, Anastacia Spiegel, Stephen Tobolowsky, Dawn-Marie Whelan, Amanda Wycoff
  • Erstaufführung: 21.03.2003, USA/Kanada
  • Produktionsland: USA
  • Produktionsfirma: Miramax, Brad Grey Pictures, Cohen Productions
  • Produktion: Matthew Baer, Alan C. Blomquist, Robbie Brenner, Bobby Cohen, Lizzie Friedman, Brad Grey, Laura Hopper, Francesca Silvestri, Amy Slotnick, Patrick McIntire
  • Kamera: Affonso Beato
  • Schnitt: Christopher Greenbury, Ray Hubley, Charles Ireland
  • Musik: Theodore Shapiro
  • Special Effects Firma: Digiscope, Eye Candy, MetroLight Studios, Teleimage
  • Special Effects: Robert Bolanowski, Ron Bolanowski, Daniel Lenoir
  • Stunts: Donna Evans, Dane Farwell, Randy Hall, Lisa Hoyle, Dennis Keiffer, Reuben Langdon, Patricia M. Peters, Denney Pierce, Paul E. Short, Lincoln Simonds, Sonny Tipton

Infos: OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot

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