Home » Kommentare » Eco-Case oder Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Eco-Case oder Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Liebe Filmsammlerinnen und Filmsammler,

ihr kennt sie inzwischen bestimmt alle. Denn nachdem das Eco-Case (auch Eco-Box) vor einigen Jahren in den USA etabliert wurde, ist sie auch in Deutschland zunehmend im Einsatz. Das Eco-Case ist nichts anderes als ein normales DVD- oder Blu-ray-Keepcase (z.B. Amaray), also eine standartisierte Plastikbox mit Halterung für DVD/Blu-ray, Covereinleger und Booklet. Der Unterschied zu einer gewöhnlichen Amaray-Hülle besteht zum einen aus dem verwendeten Kunststoff und charakteristischen Aussparungen.

Persönlich bin ich ein großer Fan des original Amaray-Keepcases, welches im Gegensatz zu den oftmals verwendeten, günstigeren Klonen und eben auch dem Eco-Case ein wertigeres Erscheinungsbild hat. Glasboxen beziehungsweise Jewelcases und Superjewelcases als Pendant zum typischen CD-Jewelcase hatten sich bei Einführung der DVD leider trotz platzsparenderen Maßen nicht durchgesetzt. Es neigte aufgrund des starren Kunststoffes aber auch zum Splittern. Auch die fast ausschließlich von Warner eingesetzten Snapper, welche nicht gerade durch Stabilität glänzten, wurden schnell verdrängt.

Durchgesetzt hat sich am Markt schließlich ein den zuletzt üblichen VHS-Boxen ähnliches Format, welches ausreichend Schutz bietet und dabei relativ pflegeleicht ist – das Amaray-Keepcase. Sicher gibt es auch weitere Verpackungsvarianten. Das aus der Musikindustrie bekannte Digipak bzw. ein Geschwist des seinerzeit an Beliebtheit gewinnenden Digibooks bekam genauso eine neue Verwendung, wie die aus alten Videozeiten bekannte Hartbox als besondere Verpackung für nostalgische Filmsammler erhalten blieb. Auch die aus Musikafficionadokreisen bekannte Tin-Box erhielt mit dem Steelbook einen großen Bruder, der den DVD-Markt zeitweilig überschwemmte. Erst jüngst gesellte sich eine neue Trendverpackung hinzu, welche als Mediabook fleissigen Filmsammlern das Geld aus der Tasche zieht.

Doch sind wir mal ehrlich. Sammelverpackungen hin oder her. Wenn Film nicht nur Sammelleidenschaft, sondern der DVD/Blu-ray-Konsum auch ein Alltagsgeschäft ist, dann sind wir doch froh über alles Praktische. Amarays beziehungsweise Keepcases sind bestens dafür geeignet, einen Film nebst Cover auch mal mit zu einem DVD-Abend zu nehmen. Ab in den Rucksack und los, während man die wertvollen Tinboxen, Digipaks, Mediabooks und Hartboxen zunächst vom eigentlichen Inhalt lösen und die DVD/Blu-ray in eine unempfindliche Transportverpackung umkonfektionieren muß. Das galt bis vor wenigen Jahren und bis zum Eco-Case, als ein Ende des DVD-Booms bereits spürbar und der Weg zu den neuen HD-Medien Blu-ray und HD DVD geebnet war.

Der Zweck eines Eco-Cases könnte edler nicht gedacht sein. Hergestellt aus Recycling-Kunststoff gibt die Industrie vor, durch die zusätzlichen charakteristischen Aussparungen inklusive des ausgeschnittenen Recyclinglogos im linken Deckel Material zu sparen. Und nicht nur das. Durch die Gewichtsreduktion verringert sich unter dem Strich der Energieaufwand für den Transport dieser DVD/Blu-ray-Hüllen. Was hier nun so toll klingt, spart den DVD/Blu-ray-Produzenten natürlich vor allem Geld, welches wir Geizkragen schließlich nicht zu investieren bereit sind. Ganz bestimmt sogar sind wir sparfuchsigen Kunden ein Teil dieses Übels, genauso allerdings die mit Niedrigstpreisen den Blu-ray-Markt pushenden Labels.

Denn was neben dem geringeren Gewicht sofort auffällt, wenn man die mit einem Eco-Case ausgestatteten DVD/Blu-ray-Veröffentlichung in die Hand nimmt, ist die deutlich geringere Stabilität des Keepcases. Natürlich, denn jetzt trägt das Konstrukt schließlich nur noch ein leichter Rahmen aus Plastik. Als sei dies nicht genug, liegt ja jetzt außerdem der Einleger über diesen markanten Löchern im Kunststoff. Da sich darunter ein Hohlraum befindet, sollte jedem Binsenphysiker auffallen, daß schon ein leichter Druck ausreicht, um den Covereinleger einzudrücken. Genauso wird die Abspielseite der Disk lediglich noch durch eine dünne Schicht Papier und die Plastiktasche für den Covereinleger geschützt.

Was nach der Konfektionierung im Karton noch relativ gefahrlos auf Reisen geht, wird ab dem Umpacken im Handelslager zum Russischen Roulette für die DVD/Blu-ray-Publikation. Jedes aus der Hand gleiten, jedes noch so kleine hängen bleiben kann eine fatale Auswirkung auf den Zustand des Covers haben. Verpackt in einem Luftpolsterumschlag und damit den rastlosen Klauen von maschineller wie menschlicher Logistik ausgeliefert geht die DVD/Blu-ray oft auf die nächste Abenteuerreise. Doch selbst sicher im trauten Heim eingetroffen genügen schon neugierige Griffe des Nachwuchses, eine unachtsame Sekunde beim Regalsortieren oder die kurzzeitige Lagerung in einem Stapel, um den Covereinleger zu zerstören. Von einem sicheren Transport zum nächsten Videoabend ganz zu schweigen.

Sofern das Eco-Case nicht hierdurch schon disqualifiziert ist, so lenke man den Blick auf die DVD/Blu-ray-Halterung, die einen noch viel wesentlicheren Schatz beherbergt. Wer seine Filme nicht nur hortet, sondern tatsächlich auch schaut, wird feststellen, daß sich in der Regel ein recht beißstarker Kranz in das geliebte Medium krallt, welcher nicht nur unnötigen und für die DVD/Blu-ray lebensgefährlichen Druck ausübt, dessen Folge noch nach Jahren in einem plötzlichen Riß in der Scheibe sichtbar werden kann, sondern bei Entnahme unangenehmes Knirschen verursacht das beim Versuch, den Silberling seiner Garage wieder zuzuführen mit einem Kraftaufwand verbunden ist, der jedem um seine Schätze bedachten Filmsammler verbittet, das Medium je wieder in dieser Hülle aufzubewahren.

Dieses Eco-Case bzw. diese Eco-Box läßt sich unter dem Strich also als reine Fehlkonstruktion beschreiben. Gerade wegen des auf die DVD/Blu-ray ausgeübten Druckes ist es unmittelbar notwendig, die erworbene Ware in ein handelsübliches Keepcase umzubetten. Was also an der einen Stelle eingespart wurde, muß der Kunde nun durch den Erwerb eines Vorrats von Ersatz-Amarays ausgleichen. Es wird also zusätzlich genau das Plastik und der Herstellungsaufwand verbraucht, der bei einer herkömmlichen Verpackung in einem regulären Keepcase angefallen wäre. Dazu kommt hier nun noch das überflüssige Eco-Case, welches nach kurzer Lebensspanne dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden muß. Und die Austauschware will ja ebenso zum Kunden transportiert werden. Einzige Gewinner sind das DVD/Blu-ray-Label mit der Kostenersparnis und die Hüllenhersteller mit den Zusatzverkäufen. Ich will da zwar keine Verschwörung andichten, aber diesen Umstand, gerade bei mit der besseren Qualität beworbenen HD-Medien, den prangere ich an!

Bin ich der einzige Nerd, dem diese Details den Weltraumkragen zum Bersten bringen? Wie stehst du zu diesen fragwürdig konzeptionierten Eco-Cases?

Die niedrigen Klickzahlen auf ähnlichen Youtube-Videos sprechen für ein geringes öffentliches Interesse. Sind das doch nur Luxusprobleme?

Euer Intergalactic Ape-Man

Posted in Kommentare

6 comments on “Eco-Case oder Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

  • Judith

    Ich persönlich bin ja extrem großer Digipack-Fan. Steelbooks sind die hässlichste Erfindung seit.. schon immer.
    Zu meinen Lieblingsdvds gehört das Vom Winde verweht Digipack (damals für unschlagbare 10€ gekauft). Meine Mutter, selbst großer Fan von dem Film, war total begeistert, als sie es gesehen hat und dabei nicht in der Lage, die Dvds aus dem Schuber zu bekommen. Da hat sie erstmal hinten den Kleber abgemacht, als sie versuchte den Schuber zu öffnen. Ich stand daneben und habe fast einen Herzkasper bekommen :D
    Als totaler Verpackungsfetischist habe ich grundsätzlich auch immer Schiss, dass da was kaputt geht oder abwetzt. Für DVD-Abende oder zum Verleihen (was ich natürlich nur in auserwählten Fällen tue..) habe ich so Gammelplastikcases, in die ich die Scheiben dann umpacke.

    Ich wäre natürlich in den 40ern gerne alt genug für Cary gewesen. Sonst wäre das ganze ha witzlos und eine Heirat irgendwie abartig.

    Ich glaube, unsere Kinos bräuchten so “extra Veranstaltungen” für Männlein und Weiblein auch nicht unbedingt. Unser Kino macht mit den ganzen Kinowilligen Studenten meiner Stadt extrem viel Umsatz. Hab ich mir mal von einem Mitarbeiter dort sagen lassen.

    Und ja.. Herr der Ringe hat mich tatsächlich sehr mitgenommen. War auch das erste (und bisher einzige Mal), dass ich mir eine komplette Filmreihe im Kino gegeben habe. Damals als der dritte Teil endlich rauskam. Vom Getrampel der Uruk Hais träume ich noch bis heute. Haha, das hat mich mit meinen damaligen 12 Jahren einfach zu sehr mitgenommen :D Achja.. damals. Als ich noch jung war.

  • bullion

    Kann ich so unterschreiben und ich ärgere mich auch jedes Mal, wenn ich wieder so eine verdächtig leichte Blu-ray-Verpackung in der Hand halte. Ist aber wohl ein Problem, das nur Sammler verstehen können.

  • Sano

    Das ärgert mich persönlich auch sehr. Und es geht sicher nicht nur uns Verpackungsfetischisten so. Wenn man ein Produkt kauft, erwartet man meist gewisse Minimalstandards. Die sind beim Eco-Case – wie du ausführst – definitiv nicht gegeben. Das ist eine Frechheit.

  • Judith

    Sag mal.. hast du jetzt eigentlich endlich mal Hot Rod geguckt?

  • Intergalactic Ape-Man

    Danke Warner. Mit dem Gremlins Double Feature besitze ich nun mein erstes Blu-ray Eco-Case. Und das gleich noch als 2er Case. Mit wie wenig Kosten sollte man da für hochwertigen Amaray-Ersatz rechnen?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>