Home » Film » Die Rückkehr der Zombies (1981)

Die Rückkehr der Zombies (1981)

Lustwandel durch Rosengärten, deren Wattewölkchen nekrotisch duften

Die Rückkehr der Zombies (1981)
Le notti del terrore
Die Rückkehr der Zombies
(1981, Italien)
Regie: Andrea Bianchi
mit Karin Well, Gianluigi Chirizzi, Antonella Antinori, Peter Bark, Mariangela Giordano u.a.
Wer nicht durch Zufall in seinem jugendlichen Leichtmut in Bahnhofskinos oder Grindhäusern über die Schmierlappen der italienischen Exploitationkunst gerutscht ist, begegnete spekulativ ausgeprägten Filmen wie Die Rückkehr der Zombies spätestens in der Videothek. Denn eins haben die großen Legenden der schmutzigen Kultur gemeinsam – sie entstanden alle um das Jahr 1980 herum. Diese sensationshaschende Erwachsenenunterhaltung explodierte auf dem florierenden Videomarkt und drohte die Jugend zu verderben, die zu dieser Zeit wie selbstverständlich Zugang zu den sozial-ethisch desorientierenden Bändern zu erhalten schien.
Der Effekt ist rückwirkend eine ganze Wunschliste voller mystisch tönender Titel, der sich ein gewisser Teil splatterhungriger Nachwuchs-Filmfans jeder Generation widmet, bevor er ausreichend frustriert von den stolzen Preisen der meist nur als Import verfügbaren Enttäuschungen ist, die den Großteil der einst als schlimm verbannten Machwerke ausmachen, um sich dem Medium Film schließlich mit einem neuen Ansatz zu widmen.

Streifen, die hemmungslos über die Stränge schlagen und Reisser, die in Ihrer zumeist niedrig finanzierten Machart zu ungeplanten Höhenflügen eines neuen Surrealismus aufspielen – Die Rückkehr der Zombies gehört zu beiden Kategorien und ist quasi als Magnum Opus des berüchtigten Andrea Bianchi eine Erfahrung, der sich manch Freund des Obskuren und Phantastischen nicht entziehen kann.
Bianchi konzentriert sich in seinem Elaborat aufs Wesentliche. Besieht man sich seine kommerziell ausgeprägte Filmographie, die von der Komödie bis zum Hardcorespielfilm reicht, verwundert es also nicht, wenn er für Die Rückkehr der Zombies einem Porno gleich eher den Hintergrund für seine nächste Schau sucht, als sich erzählerisch zu verausgaben. So ist es an sich vollkommen egal, ob es ein Professor Ayres (Raimondo Barbieri) ist, der bei seiner Forschungsarbeit ausgerechnet ein paar etruskische Untote erweckt.
Damit in der entlegenen Idylle eines ländlichen Anwesens nun ein paar von der Außenwelt isolierte Unglücksvögel vorhanden sind, läßt Autor Piero Regnoli noch ein kleines Grüppchen eintreffen, welches sich beim obligatorischen J&B lümmelt, bis sich die düsteren Visionen Janets (Karin Well) bewahrheiten.

Hierbei scheint es zu den Handschriften Regnolis und des Production Designers Giovanni Fratalocchi zu gehören, ihren Horror zu einer wahren Sleazeparade auszuschmücken. Immerhin gehören zu ihren Arbeiten auch der diesbezüglich ähnlich ausgerichtete Patrick lebt! und ebenso der von Andrea Bianchi verwirklichte Malabimba, von dem sogar eine sehr eindeutige Vollerotikfassung existiert.
Die Rückkehr der Zombies nimmt hierbei gesellschaftliche Motive auf, die denen aus Malabimba nicht unähnlich sind. Abermals geht es in diesem Film um gut situierte Menschen, deren Irrwege offengelegt werden. Mit im Haus abgehaltenen Schießübungen betonen die Besucher ihre Rücksichts- und Respektlosigkeit.
In seinem Wirkungsfeld ist Die Rückkehr der Zombies sogar noch reduzierter als der Film, der die moderne Zombiewelle überhaupt angestoßen hat – Die Nacht der lebenden Toten. Sobald die untoten Etrusker nämlich zu ersten Angriffen übergegangen sind, verrammeln sich die Menschen im Gebäude. Die Außenwelt ist hiermit vollkommen ausgeblendet. Ob die Erde zwischenzeitlich schon von den gewitzten Monstren überrant worden ist, bleibt unklar und wird nicht einmal medial beleuchtet.

Die erdigen, an die Mumien der Kapuzinergruft von Palermo erinnernden Masken in Die Rückkehr der Zombies sind zugegeben eine morbide Meisterleistung. Man mag sich am von Maden und Regenwürmern garnierten Charme des Unvollendeten reiben, der bei genauem Hinsehen nicht ausgeklammert werden kann. So bietet diese Form des Kinos allerdings auch eine Idee, in der das Publikum abtauchen, der sich ein Zuschauer aber einem Nothalt gleich auch jederzeit wieder entziehen kann, um zu ertragen, was einem vorgeführt wird.
Parallelen zu den Ungeheuern aus Woodoo – Schreckensinsel der Zombies und Zombies unter Kannibalen sind möglicherweise gewollt, jedoch sicher kein Zufall. Schließlich war Make Up Artist Rosario Prestopino zuvor an beiden Filmen beteilligt, Special Effects Mann Gino De Rossi (nicht zu verwechseln mit Giannetto De Rossi) war auch bei Woodoo mit von der Partie.
Wie so oft entsteht der Zauber des italienischen Exploitation- und Horrorkinos aus der Knappheit vorhandener Mittel und durchaus begabten Künstlern, die keine Scheu haben, ihr Talent für triviale Arbeiten herzugeben. So handelt es sich bei dem Hauptschauplatz um die verlassene Residenz eines Kardinals, welche nur wenige Kilometer ausserhalb Roms liegt. Produzent Gabriele Crisanti zeigt sich in Interviews verwundert über den nachhaltigen Erfolg von Die Rückkehr der Zombies, den er als billigen B-Film bezeichnet. Für Crisanti handelt es sich um eine Komödie, die mit entsprechend infantiler Begeisterung verwirklicht wurde.

So richtig ernst kann man diesen Mummenschanz wohl auch nicht nehmen, der ähnlich Umberto Lenzis Großangriff der Zombies wie ein surrealer Trip auf den Wogen wabernder Synthesizer-Watte abläuft. Doch während Lenzi sich über den Begriff Zombie echauffiert, da seine flinken Heilerdegesichter verseuchte Menschen darstellen sollen, so wanken Andrea Bianchis Etrusker zumeist im Zeitlupentempo durch Hof und Garten.
Unterschätzen darf man diese Zombies dennoch nicht. Ungeachtet dessen, ob ihr IQ nicht eventuell sogar über dem der Leidtragenden liegt, die auf dem Niveau von Teenagern in einem amerikanischen Slasherfilm agieren, schwingen sie in Die Rückkehr der Zombies freundlich alles, was sich als Waffe eignet. Diesbezüglich sind sie in der Lage, ihre Beute zunächst gemäß der vorherrschenden Ikonographie des katholischen Italien festzunageln, bevor sie mit der Sense zu Werke gehen.
Zimperlich sind sie nicht, diese Untoten, die in Kutten gewandet auch Erinnerungen an Die Nacht der reitenden Leichen wecken, weshalb man den staubigen Todesmuff auf den ersten Blick gar nicht unmittelbar in Italien, sondern eher in Spanien oder gar Frankreich ansiedeln möchte.
Handelt es sich in Die Rückkehr der Zombies bei Mariangela Giordano um die einzige halbwegs bekannte Darstellerin, so ist der heimliche Star des um makabre Pointen nicht verlegenen Films doch Peter Bark, der auf den Charme des Unvollendeten orientierte Lachsalven schnell an sich bindet. Immerhin, so scheint es, gibt es auch im sonnigen Süden so etwas wie Grenzen des guten Geschmacks. Da man kein Kind mit den Handlungen konfrontieren wollte, entschied man sich für den kleinwüchsigen Darsteller, der allerdings bei den Dreharbeiten schon Mitte 20 war und so trotz Schminke, Beleuchtung und Prinz Eisenherz Frisur einfach nicht als das Kind durchgeht, welches er spielen soll.

Veredelt wird diese Schundparade von einer luxuriösen deutschen Synchronisation, bei der neben Ronald Nitschke (u.a. Tommy Lee Jones) und Norbert Gescher (u.a. Richard Dreyfuss, Beau Bridges) ausgerechnet der seinerzeit 15-jährige Oliver Rohrbeck mitwirkt. Heute als Stammsprecher für Ben Stiller bekannt, ist er seit 1979 als erster Detektiv Justus Jonas Teil der DREI ???, der immer noch beliebtesten Einschlafhilfe für Kinder und junggebliebene Erwachsene.
Ausschließlich in der Originalversion der Folge 34 aus der Hörspielserie fachsimpelt Detektiv Peter: »Warum sind Zombie-Filme Dreck? Es gibt auch gute ihrer Sorte.« Ob er sich auf diese Synchronarbeit bezieht ist unklar, jedoch wird Die Rückkehr der Zombies für Fragezeichen-Fans wahrlich zu einem spezialgelagerten Sonderfall, wenn ihr Justus sich in der Rolle eines ödipalen Knaben plötzlich nicht mehr an Tante Mathildas Kirschkuchen, sondern den weiblichen Attributen seiner Erzeugerin laben will.
Das Sounddesign von Die Rückkehr der Zombies hat mit den Musiken von Elsio Mancuso und Berto Pisano auch insgesamt Ähnlichkeiten zur Dramaturgie eines Hörspiels. Kommen mal orchestrale Klänge zum Einsatz, denkt man automatisch an die Spannungsmomente dieser Sparte. Übertriebene Soundeffekte und nebst der bekannten Sprecher viel Präsenz durch Geächze und Gestöhne der Untoten dominieren die Klangteppiche, die nicht selten an die Sphären eines Klaus Schulze erinnern. Mit geschlossenen Augen kommt die Stimmung zeitweilig gar dem Projekt Nekropolis nahe, mit dem Peter Frohmarder 1981 das Album “Musik aus dem Schattenreich” veröffentlichte.

Um das psychotronische Erlebnis auf alle Sinne auszuweiten, empfielt es sich für den schmeichelnden Pesthauch die alte Stinkor Figur von den Masters of the Universe hervorzukramen, die vermutlich immer noch Nuancen von Patchouli absondert. Daß es »nach Tod riecht«, ist die vielleicht sinnvollste Erkenntnis dieser nihilistischen Zombieapokalypse, die abseits der fragwürdig humoresken Eskapaden bluttriefende Breschen in das hedonistische Treiben schlagend zielgerichtet auf den Niedergang zusteuert. Hier rät der Filmdienst ganz bestimmt ab.

Ergänzende Informationen

OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot

Daten zu Die Rückkehr der Zombies
  • Originaltitel: Le notti del terrore
  • Deutsche Alternativtitel: Die Rückkehr der Zombies; Zombie 3 – Die Rückkehr der Zombies
  • Regie: Andrea Bianchi
  • Autor: Piero Regnoli
  • Darsteller: Karin Well (dt. Alexandra Lange), Gianluigi Chirizzi (dt. Ronald Nitschke), Simone Mattioli (dt. Norbert Gescher), Antonella Antinori, Roberto Caporali, Peter Bark (dt. Oliver Rohrbeck), Claudio Zucchet, Anna Valente, Raimondo Barbieri (dt. Heinz Theo Branding), Mariangela Giordano (dt. Rita Engelmann)
  • Erstaufführung: 23.01.1981, Deutschland
  • Produktionsland: Italien
  • Produktionsfirma: Esteban Cinematografica
  • Produktion: Gabriele Crisanti
  • Kamera: Gianfranco Maioletti
  • Musik: Elsio Mancuso, Berto Pisano
  • Special/Make-Up Effects: Gino De Rossi, Rosario Prestopino

Archiv: # 0-9ABCDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ

Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Die zu Dokumentationszwecken verwendeten Coverabbildung zeigt eine griechische Videokassette. Der Text ist Eigentum von Intergalaktische Filmreisen / Intergalactic Ape-Man (Merkur Schröder). Nachdruck, Speicherung oder Kopie in digitaler und physischer Form sind außer zum nicht-öffentlichen Privatgebrauch ohne vorherige Genehmigung grundsätzlich untersagt. Eine auszügliche Verwendung des Textes im üblichen Rahmen eines Zitates (ca. 200-300 Zeichen, aber weniger als 1/3 des Inhaltes) ist unter Angabe der Quelle, in elektronischen Medien als (webcrawler-tauglicher) Hyperlink, gern auch zu kommerziellen Zwecken gestattet.

Posted in Film and tagged as , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

One comment on “Die Rückkehr der Zombies (1981)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>