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Der 4D Mann (1959)

Die kurze Science-Fiction-Kolaboration zwischen Produzent Jack H. Harris und der religiösen Independentfilmkommune um Regisseur Irvin S. Yeaworth Jr. ist wegen des weltweit durchschlagenden Erfolges des Ersten Films Blob – Schrecken ohne Namen bekannt. Es gingen jedoch noch zwei weitere Filme aus dieser Zusammenarbeit hervor: Der hier thematisierte Der 4D Mann und der später entstandene Mördersaurier. Der 4D Mann wurde ebenfalls in Farbe gedreht und behandelt eine feinstoffliche Parabel von modernem Vampirismus, die auch heute einiges an Aktualität birgt.
Die nach einem Weird Tales Frontcover erdachte Geschichte wird dabei einer Unsitte des Publikums gebeugt. Es war ungemein schick, sich erst nach Beginn der Vorstellung in den Saal zu begeben (Alfred Hitchcock wehrte sich dagegen bekanntlich herrisch mit seiner Kampagne für Psycho.). Dementsprechend gibt das erste Drittel wenig Information her, wirkt nahezu auffordernd, sich seinem Nachbarn im Gespräch zuzuwenden.

Wissenschaft und Manipulation sind in Der 4D Mann nur Anstoß und Sinnbild für das Hauptthema. Viel mehr geht es um die Gegenkräfte Schöpfung und Zerstörung, in der Konsequenz um Verantwortung. Schon früh zeigt sich die Wahl zwischen Selbstsüchtigkeit und Selbstlosigkeit, wenn die Forscherbrüder um die selbe Frau buhlen. Doch auch der Laborleiter, der eloquent die Leistung seines Teams lobt, dann jedoch den Namen des wichtigen Ideengebers kaum über die Lippen bekommt oder ein Mitarbeiter, welcher sich anderer Ideen bemächtigt deuten in diese Richtung.
Als Scott Nelson nun sein Potential in der 4. Dimension entdeckt, was in Der 4D Mann bedeutet, daß er sich eines molekularstrukturellen Phänomens bedient, welches ihm das Durchschreiten von festen Stoffen ermöglicht, steht er auch vor einer ersten Entscheidung. Er kann durch das Fenster eines Obstgeschäftes greifen und nimmt sich einen Apfel. Interessanterweise bleibt es bei diesem Mundraub. Den Schmuck in der Auslage eines Juweliers betastet er nur, wie er auch einen Brief zurück in den Kasten wirft.

Während Nelson nun aber mit der Abwendung seiner geliebten Assistentin Linda Davis zu seinem Bruder Tony, dem eigentlichen Erdenker des 4D-Prinzips, zu kämpfen hat, verzehrt ihn der Aufenthalt in der 4. Dimension auch körperlich. Schlimmer noch entdeckt er, daß er durch bloße Berührung seinem Gegenüber alle Lebensenergie entzieht, so daß dieses an Überalterung stirbt. So kommt es in Der 4D Mann auch zu einer recht klassischen Vampirfilmszene, in der Scott kurz diabolisch beleuchtet auf das Bett von Linda zuschreitet, welche angsterfüllt zurückschreckt.
Überhaupt bietet Der 4D Mann graphisch sehr einprägsame Gestaltungsmomente, in denen die Ausdruckskraft der Werbe-Artworks gelungen eingefangen und umgesetzt wird.

So schnell wie die im Prinzip einfach zu erklärenden, jedoch hervorragend umgesetzten Räumlichkeitseffekte und die erstklassig gestalteten Verfallszenen auf den Zuschauer einbrechen, so schnell findet die Jagd auf den Abweichler auch schon wieder ein jähes, vor allem unbefriedigend unweit gedachtes Ende.
Der 4D Mann läßt uns zurück mit einer Moral der Barrierefreiheit. Genau dies betrifft uns heute jedoch viel mehr als seinerzeit. Gerade das Internet löst die Grenzen der Privatsphäre auf und stellt uns vor eine Aufgabe der Diskretion und Selbstbeherrschung. Nur weil wir Grenzen überschreiten können, heißt es eben nicht, daß wir es tun und die uns damit zugänglichen Werte und Informationen nutzen müssen.

Originaltitel: 4D Man
Deutscher Titel: Der 4D Mann
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 07.10.1959, USA
Regie: Irvin S. Yeaworth Jr.
Darsteller: Robert Lansing, Lee Meriwether, James Congdon, Robert Strauss, Edgar Stehli, Patty Duke, Guy Raymond, Chic James, Elbert Smith, George Karas, Jasper Deeter, Jack H. Harris u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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