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Dead Snow (2009)

Wer sich den fragwürdigen Spaß erwartet, in Dead Snow vergammelte Besetzerreste aus dem dritten Reich durch verschneite Landschaften hitlern zu sehen, der sollte seine Gedanken zügeln. Tommy Wirkola und seinem Co-Autoren Stig Frode Henriksen, die mit Kill Buljo: The Movie überraschend weltweite Aufmerksamkeit erfuhren, ging es viel mehr darum, eine Erklärung dafür zu finden, wieso sich überhaupt und ausgerechnet Untote in der norwegischen Einöde herumtreiben. Die Kriegsszenen aus dem Trailer ignorierend, handelt es sich also schlicht um einen gewöhnlichen Horrorfilm, der darauf aufbaut, daß seinerzeit Widerstandskämpfer fortwährend deutsche Truppen in Bedrängnis brachten, welche sich schließlich brandschatzend zurückzogen. Dead Snow bastelt sich daraus die Geschichte von einem Oberst, der mit seinen Männern geraubte Wertgegenstände an sich gerissen hatte und diese in Sicherheit bringen wollte.
Abgesehen von ungewohnter Kulisse fällt auf, daß es gar keine großen Diskrepanzen zur gewöhnlichen Genreproduktion gibt. Der Horrorfilm hat sich über die Jahrzehnte selbst verzehrt und angeschlossen an einen Globalisierungsprozeß bleibt den Figuren kaum etwas anderes übrig, als ihre beliebigen Naturen preiszugeben. Im Konsum von Alkohol und dem Drang nach Sexualität sind sich Studenten wohl ohnehin gleich. Beim Aufstieg zu einer einsamen Hütte, auf der sie eine lockere Zeit verbringen möchten, kommt es nun zu Diskussionen, die ganz natürlich Anspielungen auf verschiedene Horrorfilme unter Berücksichtigung von deren Gültigkeit in Zeiten des Mobiltelefons beinhalten.

Daß Wirkola und Henriksen die Stoffe auch wirklich konsumiert haben, klingt mit der Zeit an. Dabei wächst Dead Snow aber auch erst zähflüssig heran. Das Herumhängen wird nur wenig von semi-interessanten Aussagen aufgelockert. Dazu gehört zum Beispiel das Spielen von Twister, welches damit begründet wird, daß Hollywoodfilme dessen Qualität propagiert hätten. Die Macher zeugen so recht bewußt von einer Identitätskrise, zu deren Überwindung sie auch im Verlauf des Films nie wirklich in der Lage sein werden. Ein sonderbarer Besuch eines warnenden Ortsansässigen ist dabei ein Standard. Wenn jedoch ein Girl einem der Boys ausgerechnet auf dem Plumpsklo an die Wäsche geht und ihm dann herzhaft den Finger leckt, wo er sich doch nach frisch verrichtetem Geschäft gerade den Arsch gewischt hat, zeigt sich doch, wie nebensächlich die Skandinavier dies abhandeln und trotz Vorlage, es gäbe keine guten Witze ohne Pipi, Kaka und Ejakulat, den Ekel der Bilder für sich sprechen lassen, ohne eine zusätzliche Sensation daraus zu machen.
Von vornherein im Bewußtsein einen Zombiefilm zu betrachten, ist es kaum eine Überraschung, daß es irgendwann zu einem obligatorischen Gemetzel kommen muß. Die Frage ist eigentlich nur wann und wie. Die Geschichte hat uns gelehrt, daß man in diesem Genre sehr einfach viel falsch machen kann und damit offenbar immer so gut wegkommt, daß es sich dennoch zu lohnen scheint, immer wieder das gleich niedrige Niveau zu fahren. Unter dieser Prämisse kommt Dead Snow durchaus gut weg. Die Vorbilder liegen deutlich bei Sam Raimi und Peter Jackson. Die Zombies sind also eher schneller Natur und der Humor spielt eine nicht gerade untergeordnete Rolle.

Was das Filmische angeht, so mag man glauben, ein nordisch-kühles Gemüt zu verspüren. Entgegen den Untoten ist das Tempo des Films nicht immer hoch. Abgesehen von einer strapazierten internen Logik ist der Wechsel zwischen Spannung und Splatstick, wie man es aus den Tanz der Teufel Filmen kennt, etwas befremdlich, oder mag nicht recht zum Szenario passen. Gerade die hierbei angewandte Rhythmik entspricht nicht immer den eingeprägten Sehgewohnheiten. Daß man ausgerechnet in Odin so naher Umgebung einem Vetter von Hugin und Munin des Überlebens willen den Hals umdrehen muß, ist ferner ein verstörendes Bild, dessen Bedeutung bei den so offensichtlich getätigten Blicken nach Übersee an Schwere zunimmt. Anscheinend nehmen die Macher ihre Erfolgschancen also tatsächlich abhängig von der Abkehr einer nationalen Identität, hier ergo in einer Zuwendung zu einem internationalen Maßstab, wahr.
Wenn es rein um die Splatterszenen geht, funktioniert das ziemlich gut. Ob sich nun ein Verletzter die angefetzte Kehle mit etwas Zwirn und Duck Tape flickt oder im Eifer des Gefechts mal jemand an einem Darm über dem Abgrund baumelt, die Macher haben hier ihre Hausaufgaben gemacht. Obwohl oftmals als Referenz erkennbar, ist es doch auch gelungen, die Handschrift der Vorbilder anzunehmen und für die eigenen Zwecke zu nutzen.

In der Summe darf man Dead Snow jedoch nur als herzhafte, aber aufgewärmte Kantinenkost für den Horrorfan betrachten. Der Film setzt keine Maßstäbe, steckt gerade mit seiner hanebüchenen Story deutlich zurück und obwohl reichlich mit Metzelszenen ausgestattet, fehlt diesen doch weitgehend voll ausgeschöpftes Potential der Garstigkeit, was an den vermutlich aus finanziellen Gründen oftmals verharmlosenden Einstellungen und der doch etwas aufgesetzt konterkarierenden Musikuntermalung liegt. Während der Gorehound also eher abgebrüht mit den Schultern zuckt, rumort es dem mit Phantasie Gesegneten beim Anblick geschundener Menschen und menschenähnlicher Wesen durchaus etwas in der Magengrube.
Hat man sich mit diesen Umständen abgefunden, kann Dead Snow also als recht prächtig produzierten Fanfilm akzeptieren, was durch vereinzelt zitierte Onelinern unterstrichen wird, findet man ein sich in seinen Qualitäten entfaltendes Filmchen vor, welches man sich als Genrefreund allemal als Leihe aus der Videothek mal ansehen kann. Gerade als entspannten Downer wegen des thematischen Aufhängers im Anschluß an einen Film wie Inglourious Basterds darf Dead Snow gern seine Funktion erfüllen. Nur der große Schuß, der neue Zombieklassiker, der ist es eben nicht, was vielleicht durch die zu große Erwartung trüber aussieht, als es tatsächlich ausfällt.

Originaltitel: Død snø
Deutscher Titel: Dead Snow
Produktionsland: Norwegen
Erstaufführung: 09.01.2009, Norwegen
Regie: Tommy Wirkola
Darsteller: Ane Dahl Torp, Jenny Skavlan, Bjørn Sundquist, Charlotte Frogner, Stig Frode Henriksen, Jeppe Laursen, Evy Kasseth Røsten, Lasse Valdal, Vegar Hoel, Ørjan Gamst, Tommy Wirkola

OFDb, IMDb, Wikipedia

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