Home » Film » Das Grauen aus der Tiefe (1955)

Das Grauen aus der Tiefe (1955)

Nach seinem Erfolg mit Dinosaurier in New York folgte für Ray Harryhausen ein Engagement bei Columbia für eine Reihe von B-Filmen und so ereilte ihn früher als den damaligen Regisseur Eugène Lourié, der dies 1958 mit Das Ungeheuer von Loch Ness nachholen sollte, das Schicksal, im Grunde nur denselben Film wiederholen zu müssen. Das Grauen aus der Tiefe, als Double Feature mit dem ebenfalls von Sam Katzman produzierten Creature with the Atom Brain in die amerikanischen Kinos gebracht, gibt sich dabei dem feuchten Sujet entsprechend aalglatt, was man als reife Leistung oder Makel ansehen kann.
Das Budget war so niedrig, daß neben dem üblichen Einsatz von Stock Footage und Library Music (die zur Ehrenrettung aber zum Teil erst für die neu entstandene Monsterabteilung von Mischa Bakaleinikoff komponiert werden mußte) die Spielszenen zumeist beim ersten Take zu funktionieren hatten. Daß Harryhausen dem Monster – ein Oktopus – nur sechs Arme modelliert hatte, um bei der Animation Zeit und Geld zu sparen, wäre hingegen gar nicht aufgefallen, hätte er dies nicht in einem Interview beiläufig erwähnt – immerhin sind Oktopoden keine so guten Rückenschwimmer, als daß sie stets alle Arme von sich aus der See recken würden.

Für so eng geschnürte Möglichkeiten muß man Das Grauen aus der Tiefe dann durchaus zugestehen, eine gute Leistung darzubieten. Sitzt doch aber der Zuschauer gespannt auf den Auftritt einer Kreatur vor der Leinwand, ist er gezwungen sich zu gedulden. Was nützt nun solides Schauspiel, wenn die Geschichte wie eingangs erwähnt ja schon bekannt ist? Sogar Kenneth Tobey ist wieder mit von der Partie, als die bösen Amerikaner mit ihrer Neigung nur Nukleartechnik diesmal einen achtarmigen Meeresbewohner aufscheuchen, der es bei seiner Stippvisite aus der Tiefsee immerhin später auch fertigbringt, Angst und Schrecken unter den Einwohnern San Franciscos zu erzeugen.
Derweil versuchen uns die Figuren aber mit der lang geratenen Einleitung zu unterhalten, was nicht recht gelingen mag, kann sich das Drehbuch doch weniger mit gelungenen Einschüben entschuldigen, als mit seiner Rahmenhandlung zu übertreiben. Man mag es für seine Entstehungszeit dabei als recht mutig erachten, die Hand der ohnehin erstaunlich emanzipierten Faith Domergue während eines Flirts lasziv an einem Reagenzkolben spielen zu lassen, doch dies bringt der Geschichte nichts und ist historisch gesehen nun auch nicht so sensationell. Dafür wird in Räumlichkeiten geraucht, in denen dies augenscheinlich untersagt ist. Mehr Details dieser Art oder bestenfalls unfreiwillige Komik bis hin zu sehenswerten Ausfällen wären hier sicherlich unterhaltsamer gewesen.

Auf den wahren Star der Geschichte haben einige rare Andeutungen das Publikum vorbereitet. Wenn Ray Harryhausen zur Tat schreiten darf, ist der Fan zufrieden. Sein Zaubermittel heißt Dynamation und mit seinem Feingefühl würde er vermutlich selbst einem Haufen Scheiße glaubhaft Leben einhauchen, würde er ihn nur im Stop-Motion-Verfahren filmen.
Wen kümmert in so einem Monsterfilm die grundlegende Frage, ob so ein Riesenkrake wirklich sonderlich gefährlich für ein Küstenstädtchen werden könnte? Octopussy zerquetscht die Golden Gate Bridge, als wäre sie Spielzeug, läßt seine Tentakel durch die Stadt gleiten, um Menschen unter ihnen zu begraben und läßt sich von Flammenwerfern allenfalls in Schach – nicht aber aufhalten. Dies alles wirkt so lebendig, daß man sich nur daran erfreuen kann.

Es hat schon einen tragischen Glanz, wie dieses Genie hier innerhalb gesteckter Grenzen zu agieren hat. Kenner bemerken den dennoch vorhandenen Aufwand, der für die einzelnen Szenen betrieben wurde. Natürlich kann man die Technik selbst im so rationalisierten Verfahren, wie es Ray Harryhausen hier im vollkommenen Alleingang anwendete, bei knappem Budget nicht weiter entfalten. Es hat schon seinen Grund, warum Willis H. O’Brien mit seinen visionären Projekten oftmals nicht über das Planungsstadium hinaus kam, oder warum die Japaner sich für Godzilla gegen eine Umsetzung in Stop Motion – und übrigens der Legende nach wegen der begonnenen Produktion von Das Grauen aus der Tiefe auch gegen den Einsatz eines Kraken als Monster – entschieden hatten.
Auch wenn der Film also im Gesamtbild nicht so sehr aus der Monsterwelle hervorsticht, wie er hätte sollen, so muß man Das Grauen aus der Tiefe doch als einen der wenigen Brocken genießen, die uns die Industrie in dieser technischen Finesse vorgeworfen hat. Gegenüber mit ähnlichen Problemen behafteten Produktionen wie The Deadly Mantis hat er noch lange die Nase vorn. Wer nicht all zu tief in die Materie eintauchen will und auf ein achtarmiges Monster verzichten kann, ist freilich mit Dinosaurier in New York ausreichend bedient.

Originaltitel: It Came from Beneath the Sea
Deutscher Titel: Das Grauen aus der Tiefe
Produktionsland: USA
Erstaufführung: Juli, 1955, USA
Regie: Robert Gordon
Darsteller: Kenneth Tobey, Faith Domergue, Donald Curtis, Ian Keith, Dean Maddox Jr., Chuck Griffiths, Harry Lauter, Richard W. Peterson, Del Courtney, Tol Avery, Ray Storey, Rudy Puteska u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

Posted in Film and tagged as , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

One comment on “Das Grauen aus der Tiefe (1955)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>