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Das Geheimnis meines Erfolges (1987)

Das Geheimnis nicht mehr in Kansas zu sein

Das Geheimnis meines Erfolges (1987) Blu-ray von Koch Media
The Secret of My Succe$s
Das Geheimnis meines Erfolges
(1987, USA)
Regie: Herbert Ross
mit Michael J. Fox, Helen Slater, Richard Jordan, Margaret Whitton, John Pankow u.a.
In meiner Generation ist es vollkommen üblich, Michael J. Fox über seinen einzigartigen Erfolg mit Zurück in die Zukunft kennengelernt zu haben. Nebenbei gab es Teen Wolf und irgendwann Anfang der 90er lief dann Das Geheimnis meines Erfolges im Fernsehen, der ohne phantastische Elemente und mit einem etwas älteren Protagonisten in der Yuppiewelt nicht jeden ansprach, mich eingeschlossen.
Kritiker Roger Ebert ging 1987 recht schroff mit dem Film um, dessen Verwechslungsspiel ihn an Bürokomödien der 50er Jahre erinnerte.
Nun werfe ich also mal wieder den Film rein, den ich zwischenzeitlich etwas mehr zu schätzen gelernt habe und das Lied “The Secret of My Success” bläst direkt den einen Gedanken in meinen Kopf: Diese fetzigen Titelsongs gibt es einfach nicht mehr!

Oft habe ich gelesen, Das Geheimnis meines Erfolges sei zu stark in den 80ern verhaftet und damit schlecht gealtert. Die Geister scheiden sich aber einfach daran, ob man eine Distanz zwischen die Dekade und sich selbst bringen will oder genau diese Elemente abfeiern kann, ob nun nostalgisch, ironisch oder einfach aus reiner Liebe.
Die Essenz der 80er würde ich nur bedingt im Plot dingfest machen. Die Geschichte des Tellerwäschers, der zum Millionär wird, interpretiert Michael J. Fox in Das Geheimnis meines Erfolges als schelmischer Mittzwanziger Brantley Foster, der zwar theoretisch gut ausgebildet ist, aber keine Erfahrung vorweisen kann. Dies wird zu seinem Problem, als er aus dem ländlichen Kansas nach New York rübermacht, um eine Karriere zu begründen.
Im Wesentlichen geht es erstmal um seine Strategie, mit seiner Situation fertig zu werden. Der Protagonist kann einen Job als Bote ergattern. Er nutzt die Gelegenheit und den gewonnenen Einblick in die Strukturen des großen Firmengebäudes als Schlipsträger getarnt aus. Hierzu okkupiert der Wizard of Bizz ein leer stehendes Büro.
Bedeutung gewinnt hierbei sein Verhältnis zu Vera (Margaret Whitton), Frau des Bosses Howard Prescott (Richard Jordan), die in der ursprünglichen Drehbuchversion noch die Prostituierte des Vorgesetzten sein sollte. Als der junge Aufsteiger bemerkt, daß sein Chef außerdem sein Onkel ist, spitzt sich die Situation so natürlich noch mehr zu, denn Das Geheimnis meines Erfolges suggeriert somit, Brantley Foster habe mit seiner Tante geschlafen.

Wall Street und American Psycho haben uns ein Bild der Yuppies gezeichnet, das in Das Geheimnis meines Erfolges nur bedingt beansprucht wird. Gemäß der leichten Stimmung des Songs “Walking on Sunshine” von Katrina & The Waves, einem der exzellent gewählten Stücke des Soundtracks, arbeitet sich Michael J. Fox verhältnismässig beschwingt an die Spitze des Konzerns.
Noch auf dem Wellenkamm eines Wirtschaftshochs muß Brantley Foster sich zwar Problemen stellen und wird unter anderem auf dem Arbeitsamt damit konfrontiert, den begehrten Job nur bekommen zu können, wenn er eine weibliche Minderheit wäre, doch mit seiner manchmal zweifelhaften Moral stolpert der Protagonist doch eher glücklich auf dem Weg nach oben, nicht zuletzt, weil die Mitarbeiter lange genug Scheuklappen zu tragen scheinen. Ob diese nun den Schwindel nicht sehen, oder nicht sehen wollen, sei mal dahingestellt.
Enthüllend ist Das Geheimnis meines Erfolges insofern, daß er auch die Expertise der Schlipsträger fraglich erscheinen lässt. War der Boom der New Economy Ende der 90er von Spielkindern bestimmt, die oftmals den Erfolg darauf begründeten, daß sie die Dinosaurier der Finanzwelt damit beeindrucken konnten, eine Power Point Präsentation erstellen oder gar eine E-Mail verschicken zu können, scheinen die Mitarbeiter dieses Konzernes oftmals auch eher über Speichelleckerei als fundierte Arbeit an die Spitze gekommen zu sein. Nicht anders lässt es sich erklären, wie Brantley Foster sie letztlich so an die Wand spielen kann.

Mag man letzteres als subversiven Unterton verstehen, zaubert Herbert Ross, der mit seinen Regiearbeiten an Footloose und Magnolien aus Stahl definitiv einen Eindruck in den 80ern hinterließ, aus Das Geheimnis meines Erfolges am Ende aber vor allem ein Vehikel, um die komödiantischen Qualitäten eines Michael J. Fox in den Vordergrund zu stellen. Oftmals stark mit der musikalischen Untermalung verknüpft, inszeniert der ehemalige Choreograf außerdem Sequenzen, auf denen basierend Kritiker eine Nähe zu den Stilistiken des Musiksenders MTV monierten.
Es läßt sich nicht leugnen, daß der prominente Soundtrack wesentliches Element der Darbietung ist. Herbert Ross gewinnt jedoch diesen Momenten einen ästhetischen Mehrwert ab, der auch ein Augenzwinkern beinhaltet, wenn er etwa Vera zu YellosOh Yeah” in der Limousine knisternd um Brantley werben lässt. Fortgesetzt wird diese Balz noch durch eine Poolszene, in der Veras Avancen mit dem Thema aus Der weiße Hai untermalt werden.
Interessant wäre es für mich außerdem, ob eine der frühen Szenen des Films tatsächlich als der Gegenpart zu A Nightmare on Elm Street gedacht war, den ich darin sehe. Ganz beiläufig zeigte der Horrorfilm damals eine Art Telefonstreich, bei dem per Kassettenrekorder eine Atmosphäre erzeugt werden sollte, um den Eindruck eines anderen Standortes zu erwecken. Die Eskalation in einer Schießerei war dort mehr ein Versehen, während Michael J. Fox tatsächlich aus einer Telefonzelle nach Hause telefoniert, als auf der Straße die Ausläufer eines Überfalls toben, von dem seine Mutter jedoch nichts mitbekommen soll. Trotz inhaltlicher Gegensätzlichkeit ähnelt sich das Sounddesign derart, daß es kaum Zufall sein kann.

Während Christy Wills (Helen Slater) als Love Interest für Brantley Foster nur bedingt Schwung in die Dramaturgie bringen kann, wenn sie in der Beziehung zu anderen Figuren weitere kleine Hürden aufbaut, ist es am Ende vor allem die Komik von Michael J. Fox, die ausreicht, um Das Geheimnis meines Erfolges mit seinen Versatzstücke zusammen zu halten. Da es sich, oft physisch, um Qualitäten handelt, die er auch in seinen vorherigen Hits ausspielen konnte, besteht doch eine gute Chance, den Fans dieser Filme zumindest etwas zu gefallen.
Ob nun die angesprochene Telefonszene oder rasante Kostümwechsel zwischen den zwei Jobs, Michael J. Fox versteht es sich in Szene zu setzen und verfügt über ein hervorragendes Timing, wie ein Breakdancer kurz inne zu halten, um seine Pointe feiern zu lassen. Da spielt es dann auch kaum eine Rolle, ob er in manchen Sequenzen auch wieder nur den Milchbubi in Unterbuchse gibt. Wenn Michael J. Fox beispielsweise den Koitus seiner Nachbarn dirigiert, weil dieser in seiner Wohnung unüberhörbar ist, dann ist es sicher nicht tiefschürfend, aber lustig.
Genau das kann man wohl auch als Fazit zu Das Geheimnis meines Erfolges übernehmen. Natürlich ist das mehr eine Nummernrevue, die ohne die Gimmicks von Zeitreise oder übermässigem Haarwuchs etwas schmalbrüstiger erscheinen mag. Später hat Ein Concierge zum Verlieben auch gezeigt, daß man aus so einer Karrieregeschichte mit Michael J. Fox noch mehr herausholen kann. Aber Das Geheimnis meines Erfolges kann ja trotzdem unterhalten und ist mit den vielen zeitgenössischen Songs, unter anderem auch von Pat Benatar und Bananarama, einfach ein persönlicher, manchmal einfach urgemütlicher Rücksturz in der Zeit.

Schön ist außerdem, daß die alte Universal DVD mit ihren zahlreichen Bildfehlern im heute nicht mehr zeitgemässen Letterboxformat nicht mehr das Nonplusultra ist, um an Das Geheimnis meines Erfolges zu kommen. Da die Majors sich merkbar aus dem Geschäft mit physischen Datenträgern zurückziehen, erschien die Blu-ray als Unterlizenz bei Koch Media und das ist ja auch nicht das Schlechteste. Mit einem Michael J. Fox Interview und dem deutschen Trailer ist auf der Blu-ray nun auch wenig, aber deutlich mehr Bonusmaterial vorhanden.
Während die deutsche Tonspur unter den labelüblichen Filtern leidet und von manchem Zuhörer als blechern empfunden wird, kann der englische Ton da schon etwas mehr Bumms aufweisen. Trotz toll besetzter Synchro ist es aber ohnehin ratsam, einmal ein Ohr auf den Originalton zu richten. So wird dann doch auffällig, wie viel natürlicher Spiel und Pointen wirken. Dies hat zum einen mit dem Mix zu tun, bei dem die deutsche Fassung einfach nicht verbergen kann, daß es sich um eine Studioaufnahme handelt. Gerade die Übersetzung schafft es zum anderen aber auch nicht durchgehend, die Nuancen einzufangen, die das Original hier bereit hält und die von dem präzisen Rhythmus, den Michael J. Fox an den Tag legt, nur noch weiter profitieren.
Bei den inzwischen doch sehr moderaten Preisen, seien es gut drei Euro für eine gebrauchte DVD von Universal oder acht bis neun Euro für die neue Blu-ray von Koch Media, sollte ansonsten nicht viel im Weg dabei stehen, einem Film wie Das Geheimnis meines Erfolges eine Chance einzuräumen. Mich erinnert der Film dazu passend vor allem auch an eine unbeschwertere Zeit, als es noch keine Rolle spielte, ob der Event-Charakter einen Gegenwert zu den horrenden Kosten für Anfahrt, Eintritt und Verpflegung bietet, sondern es möglich war, im Kino um die Ecke für wenig Geld einfach mal wieder etwas Spaß zu haben. Und das Eis-Konfekt war auch immer drin.

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Ergänzende Informationen

OFDb, IMDb, Wikipedia, Moviepilot, Trailer

Daten zu Das Geheimnis meines Erfolges
  • Originaltitel: The Secret of My Succe$s
  • Deutscher Alternativtitel: Das Geheimnis meines Erfolges; Das Geheimnis meines Erfolge$
  • Regie: Herbert Ross
  • Autor: Jim Cash, Jack Epps Jr., AJ Carothers
  • Darsteller: Michael J. Fox (dt. Sven Hasper), Helen Slater (dt. Cornelia Meinhardt), Richard Jordan (dt. Joachim Kerzel), Margaret Whitton (dt. Kerstin Sanders-Dornseif), John Pankow (dt. Ronald Nitschke), Christopher Murney (dt. Helmut Gauß), Gerry Bamman (dt. Norbert Langer), Fred Gwynne (dt. Arnold Marquis), Carol Ann Susi (dt. Hansi Jochmann), Elizabeth Franz (dt. Monica Bielenstein), Drew Snyder (dt. Wolfgang Kühne), Susan Kellermann (dt. Barbara Adolph), Barton Heyman (dt. Alexander Herzog), Mercedes Ruehl, Ira Wheeler, Ashley J. Laurence, Rex Robbins, Christopher Durang (dt. Mathias Einert), MacIntyre Dixon, Bill Fagerbakke (dt. Christian Toberentz), Jack Davidson, John Bowman, Jeff Brooks, Ascanio Sharpe, Don Amendolia, Judith Malina, Mary Catherine Wright (dt. Eva-Maria Werth), Joseph Ragno (dt. Hans-Jürgen Wolf), Burke Pearson, Ray Ramirez, Gloria Irizarry, Mark Margolis (dt. Hans Nitschke), Rick Aviles, John Capodice, Sally-Jane Heit, Richard Arthur Gallo, Luis Antonio Ramos, Cindy Crawford, R. Emmett Fitzsimmons, Elain R. Graham, London Hall, Bruce McGill (dt. Andreas Mannkopff), Tatjana Patitz
  • Erstaufführung: 07.04.1987, Los Angeles, Kalifornien, USA
  • Produktionsland: USA
  • Produktionsfirma: Rastar Pictures, Universal Pictures
  • Produktion: Joseph M. Caracciolo, David Chasman, Nora Kaye, Herbert Ross
  • Kamera: Carlo Di Palma
  • Schnitt: Paul Hirsch
  • Musik: David Foster
  • Stunts: Danny Aiello III, Bill Anagnos, Nicholas J. Giangiulio, Lance Guecia, Don Hewitt, Jery Hewitt, Victor Magnotta, Edgard Mourino, Phil Neilson, Michael Russo, Konrad Sheehan, Gary Tacon, Tom Wright, Charles Croughwell
  • Soundtrack:
    • BananaramaRiskin’ a Romance
    • Pat BenatarSometimes the Good Guys Finish First
    • Roger DaltreyThe Price of Love
    • El ChicanoEl Catuco
    • El HaitianitoEl Munequito
    • David FosterGazebo
    • Katrina & The WavesWalking On Sunshine
    • Ira Newborn and The GeeksGeek Boogie
    • Night RangerThe Secret of My Success
    • Papo Cadena su sax y orquestaFeliz Cumbe
    • Restless HeartSomething I Gotta Do
    • TaxxiHeaven and the Heartaches
    • TKACome Get My Love
    • John WilliamsTheme from ‘Jaws’
    • YelloOh Yeah

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Alle Inhalte sind urheberrechtlich geschützt. Die zu Dokumentationszwecken verwendeten Coverabbildung zeigt ein Produkt von Koch Media. Der Text ist Eigentum von Intergalaktische Filmreisen / Intergalactic Ape-Man (Merkur Schröder). Nachdruck, Speicherung oder Kopie in digitaler und physischer Form sind außer zum nicht-öffentlichen Privatgebrauch ohne vorherige Genehmigung grundsätzlich untersagt. Eine auszügliche Verwendung des Textes im üblichen Rahmen eines Zitates (ca. 200-300 Zeichen, aber weniger als 1/3 des Inhaltes) ist unter Angabe der Quelle, in elektronischen Medien als (webcrawler-tauglicher) Hyperlink, gern auch zu kommerziellen Zwecken gestattet.

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