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Angel’s Höllenkommando (1985)

“Wir sind nicht nur Las Vegas Tänzerinnen – Wir sind eine Elitetruppe!”

Liebe Videofreunde, ihr haltet doch sicher zu diesem Medium, weil es noch so viele Filme gibt, die es bisher nicht auf DVD geschafft haben. Und dabei sichert sich doch schon die BluRay Disc die Marktherrschaft. Nun, Angel’s Höllenkommando ist definitiv eines dieser raren Stücke, welches Kenner zu schätzen wissen, das aber auch auf dem heutigen Markt vermutlich einfach zu wenige Chancen hätte.
Der eher unbekannte Kenneth Hartford tritt hier als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent auf. Außerdem verrät der Abspann, daß er sich auch für Teile der Musik verantwortlich zeichnet. Das Präludium umreißt sogleich ein Ausgangsszenario, welches sich mitten in den 80ern sehr wohl fühlt, jedoch auch vernichtend für den gesamten Film ausfallen könnte.
Eine Explosion. Menschen in Schutzanzügen stellen die verherenden Folgen der gezündeten Bombe fest, die besser für einen Billigfilm nicht ausfallen könnte. Während sich nämlich Kühe, Pferde und Elefanten in Nichts auflösen, bleiben alle anorganischen Materialen einfach bestehen. Man braucht also nur eine leere Kulisse zu filmen.
Über die Bombe, eine Neutronenbombe, Verzeihung, die ULTRAneutronenbombe, eine Entwicklung der Vereinigten Staaten, zerstreiten sich nun der amerikanische Botschafter Stewart und dem sein Sohn. Der Sprößling läßt sich verärgert wegkutschieren, nur um auf dem Wege von PLO-Terroristen, die sich feinstem Pseudo-Arabisch mit Lautmalereien etwa wie “Smrda Allemalachen” bedienen, aufgegriffen zu werden. Die haben von der neuen Vernichtungstechnologie schon Wind bekommen und wollen die Anleitung nun erpressen.

So stupide das nun klingt, Hartford hat das Rezept, um für die nötige Würze zu sorgen, wenngleich das Hirn bitte heruntergefahren werden sollte. Des Botschafters Berater Jim weiß sich nämlich sofort zu helfen. Er fährt nach Las Vegas. Nicht etwa, um sich von den Problemen abzulenken. Nein, hier trifft er auf seine alte Bekannte Jenny (Angel gibt es im ganzen Film nicht), die er nebst allen willigen Showgirls einpackt und auf ein CIA-Trainingsgelände kutschiert. Drill Instructor Sgt. Hart (im Deutschen mit der Stimme von Tommi “Alf” Piper), weist die in Hot Pants und weißen Leibchen antretenden Girls kurz ein, um sie dann durch den aufwändig gestalteten Parkour zu hetzen. Dieser besteht aus einer Röhre, ein paar Autoreifen, einem winzigen Wasserloch und einer aufrechten Spanplatte, bietet aber Hartford genug Anlaß, immer und immer wieder Szenen der tollpatschigen Mädchen aus unterschiedlichen Perspektiven abzulichten, bis sie schließlich ein Stück Treibholz zertrümmern, am M16 halbherzig ausgebildet werden und in den Swimmingpool der Offiziere geladen werden, um auf die Bekanntgabe der Qualifikation zu warten.
Pool wie Wiederholungen sind eine Konstante, an der in Angel’s Höllenkommando festgehalten wird. Nachem Botschafter Stewart davon überzeugt wurde, daß es sich keineswegs um Verarsche, sondern um Frauen handelt, von der jede eine Spezialausbildung (achja?!) genossen hat, startet das Sondereinsatzkommando ab in die Nähe der syrischen Grenze, wo sie zur Tarnung als Tänzerinnen in einem Club gebucht sind, dessen texanischer Lude die scheichianischen Gäste auf Gegenseitigkeit in seiner Muttersprache aufs übelste beschimpft. Werden sie den Filius befreien können?

Während das Girl mit den größten Brüsten sich dem Sujet zum Trutze am Maschinengewehr am dümmsten anstellen mußte und so nicht mit von der Partie ist, erfreuen sich die freizügigen Mädchen an der XXL-Badewanne ihres Hotelzimmers, wo sie ein weiteres wiederkehrendes Element erwartet: Das läutende Telefon. Kenneth Hartford scheint seine Zielgruppe für so einfältig zu halten, mit diesem Prinzip durchzukommen. Es läuft nun mehrfach auf dasselbe hinaus. Die Mädels baden, werden angerufen, erledigen ihren Auftrag als tollpatschige Girls with Guns, die ihre Wummen kaum halten können und bei Nahkampfgefechten auf dem Niveau von Plüschhasenpogo agieren, kehren zurück, baden, das Telefon klingelt.
Das wird in heiterer Runde schnell zum Running Gag und zum Glück hat Angel’s Höllenkommando neben den aufreizenden Ambitionen etwas nackte Haut zu zeigen oder einfach auf die ansprechenderen Körperteile der Protagonistinnen zu halten, auch immer Einfälle parat, die das Trashvergnügen aufrecht erhalten. Dabei bemüht man sich schon, die minimale Ausstattung immer möglichst nah am Objektiv zu halten, um die Winzigkeit der Produktion geheim zu halten, wobei dann auch liebevolle Details wie der eingesägte Halbmond an der Holztür eines Plumpsklos zur Geltung kommen.
Auch in der Wahl seiner Inserts ist sich Hartford für nichts zu schade, läßt er doch die Showgirls Schnorchelequipment nebst Harpunen anlegen, nur um mitten in der Wüste die deutlich unter 50 Meter eines Sees zu durchqueren, an dessen Ende eine lange Geröllfläche zu einer Anhöhe führt, auf dem sich eine eher europäisch anmutende Burg befindet. Zumindest müssen die Mädchen dieses Gefecht so in Bikinis durchführen und sorgen mit dem gleichzeitigen Aufspießen zweier Wachen noch dafür, daß man den gute 80 Minuten langen Streifen doch nicht ab 12 durchbekommt.

Mit prallen Möpsen und Pointen, die so flach sind, daß die Ameisen Helme aufziehen, bietet Angel’s Höllenkommando die perfekte Unterhaltung für den Herrenabend. Der Film ist stellenweise lustig gemeint, nimmt sich in anderen Belangen aber scheinbar schon wieder so ernst, daß die vollkommen unpassenden Spielszenen mit den unbeholfenen Aktricen die Erzählung aufs äußerste konterkarieren. Eine Meisterleistung aber vollbringt Kenneth Hartford mit seinem Ende im besten Scooby-Doo-Stil, wo er tatsächlich schafft, den monotonen Einsatzabläufen noch einen tieferen Sinn zu entlocken. Selten ist es in diesem Metier der Fall, daß der Regisseur und Autor tatsächlich seinen mit Hochdruck verblasenen Dünnschiß reflektiert, so noch einen entschuldigenden Brüller nachlegt und dem Zuschauer das obskure Abenteuer aus dem hintersten Videoregal zu einem Gesamtkunstwerk des schlechten Geschmacks abrundet.
Bis sich dieser Geheimtip aber zu den Produzenten von digitalen Trash Collections herumgesprochen hat, müssen Suchende zur VHS-Version greifen, die es dank der Billigauflagen auch garantiert zum kleinen Schnupperpreis geben sollte. An der deutschen Version führt wegen der spaßigen Synchro inklusive Seitenhieben auf Rambo und Bruce Lee leider kaum ein Weg vorbei. Aber Achtung: Angel’s Höllenkommando macht süchtig!

Originaltitel: Hell Squad
Deutscher Titel: Angel’s Höllenkommando
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 1985, USA
Regie: Kenneth Hartford
Darsteller: Bainbridge Scott, Glen Hartford, Tina Lederman, Maureen Kelly, Penny Prior, Lisa Nottingham, Kathy Jinnett, Loren Chamberlain, Kimberly Baucum, Madeline Parquette, Marvin Miller, Walter Cox u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia (en)

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