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Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv (1994)

Ace Ventura ist ein Tier-Detektiv, spezialisiert auf das Auffinden aller nichtmenschlichen Lebewesen vom Hund bis zur Brieftaube. Als das Maskottchen der Miami Dolphins entführt wird, verdankt er es seiner Reputation, kurz darauf zur Hilfe gerufen zu werden.
Ich kann mich noch ganz gut erinnern. Mitte der 90er poppte auf einmal eine schillernde Comedy-Gestalt auf den Kinoleinwänden auf, die mit eskalativem Humor unseren noch pubertären Geschmack traf. Quasi mit einem Hattrick aus Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv, Die Maske und Dumm und Dümmer schien diese Figur aus dem Nichts zu kommen, denn wir kannten weder den Stand-Up-Comedy-Hintergrund, noch waren uns Auftritte im amerikanischen Fernsehen und kleineren Filmen, sowie Nebenrollen in Kinoproduktionen bekannt beziehungsweise bewußt.
Jim Carrey, so der Name dieses Gummigesichts, tat einen wichtigen Schritt, indem er nur wenige Jahre später mit Die Truman Show eine wesentlich seriösere Rolle annahm, die seine Person nicht ausschließlich mit albernem Slapstick in Verbindung bringen läßt. Doch wie gut konnte sich der erste große Erfolg des Schauspielers über die Jahre halten? Dieser Frage möchte ich mich nun widmen, nachdem ich erstmalig die Gelegenheit hatte, Ace Ventura – ein tierischer Detektiv in seiner englischen Originalfassung zu sehen.

Kaum verwunderlich an erster Stelle, daß die Pointen sprachlich ganz anders funktionieren. Carreys Darstellung ist sehr eng mit verbaler Expression verknüpft, weshalb die Gags viel natürlicher und weniger gestelzt erscheinen, als es mir die Erinnerung vormachen wollte. Ebenso wenig war mir jedoch bewußt, wie viele Filmreferenzen in Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv eigentlich wirklich zur Anwendung gekommen sind.
Dies zieht sich durch die gesamte Handlung von Star Trek Zitaten, als Ace das Bassin des entwendeten Delphins durchsucht, über ein “It’s alive!” (Frankenstein) als sein Auto anspringt oder einer offensichtlichen Anlehnung an Der weiße Hai. Es finden sich jedoch noch viele weitere Feinheiten, die sich im Verhalten an einem Tatort wiederspiegeln (Columbo) können, aber auch im Summen einer Melodie oder der Beschreibung eines Sachverhalts durch die Nennung eines Filmtitels.
Den größten Respekt allerdings hat uns damals der Einsatz einer Live Band abgerungen, die seinerzeit möglicherweise auf einige Zuschauer nahezu außerirdisch gewirkt haben mag. Ace Ventura besucht bei seiner Recherche tatsächlich ein Konzert der Death Metal Band Cannibal Corpse (laut Carreys Aussage tatsächlich eine seiner Lieblingsbands), seinerzeit bei uns schwer angesagt und vor allem damals besonders stark durch die deutsche Zensur betroffen als eine “böse” Gruppe berüchtigt. Dies ist heute eigentlich eher die amüsante Fußnote, während das volle parodistische Ausmaß heute eher im Vordergrund stehen sollte. Eigentlich.

Es ist nämlich tatsächlich so, daß die Figur des Ace Ventura viel gemein hat mit einer Jugendkultur, die über ihr martialisches Auftreten durchaus geeignet ist, eigentlich schüchterne Charakterzüge zu überspielen. Ace selbst wirkt wie der nervöse Alltags-Clown, der seine Unsicherheit, vielleicht sogar Unzulänglichkeit, durch ein schräges und lautes Komischsein bis an die Berstgrenze der strapazierten Nerven verbergen möchte.
Der Film ermöglicht es ihm natürlich an dieser Stelle mit noch so abstrusen Manövern punktgenau und cool zu wirken, was ihn zu einer sympathischen Freakfigur macht. Was im Film manchmal ausgelassen wird ist die tragische Willkürlichkeit dieses Erfolges, da Ace Ventura sich mit seinem Tun offensichtlich immer etwas auf dünnem Eis bewegt.
Für diesen ohne Abspann nur knappe 80 Minuten laufenden Streifen genügt das, da sich ein Feuerwerk der Narretei und Schlagfertigkeit nahezu in einem Zeitraffer über das Publikum ergießt. Hier reicht die Verschmelzung des kindlichen Willy-Befreiers und eines Dr. Dolittle mit dem Hard-Boild-Detective aus, welche als Parodie auf eine ganze Unterhaltungsindustrie eskalativ in einem Scooby-Doo-Finale gipfelt. Viel Gehalt hat diese Quasi-Stand-Up-Comedy am laufenden Meter nicht, aber für diesen einen Moment funktioniert der Spaß, weil er gut ausgewogen ist.

Geschmackssache ist es wohl, wird es ja seinen Grund gehabt haben, daß man beim Aufblühen des Erfolges Jim Carreys zumindest in Amerika über eine Verdummung des Humors diskutierte. Dem kann man eigentlich nur damit begegnen, daß Carrey sich mit seiner Darstellung durchaus auf klar ausgetretenen Traditionspfaden bewegt, von dem unsichere Wege zu weit verstörenderen Aborten abzweigen. Dies schließt an dieser Stelle amerikanische Komödien aller Dekaden mit ein, aber eben auch Carreys Auftritt in Dumm und Dümmer, der in diesem Zusammenhang diskutabler erscheint.
Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv ist gegenüber anderen Filmen immer noch nahezu intellektuell. Sei es der Vergleich mit einem Franz von Assisi oder die subtile Art, mittels der bereits auf die spätere Enthüllung hingearbeitet wird und die mehrfaches Ansehen der Komödie durchaus rechtfertigt.
Möglicherweise ist es aber auch ein Werk, dessen Form schlicht das Gefühl einer bestimmten Generation anspricht, insbesondere auch von der ähnlichen Rezeption von Einflüssen abhängig ist, die in dieser Darstellung verarbeitet werden. Insofern ähnelt die Figur Ace Ventura eines tagesaktuellen Fernseh-Scatch-Protagonisten, für dessen Ausarbeitung Jim Carrey schließlich auch auf Routinen aus seinem Stand-Up-Comedy-Programm zurückgreift und sich so in Höchstform erstmalig vor einem Millionenpublikum voll ausleben darf. Mir persönlich gefällt Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv jedenfalls auch heute noch zwar nicht tierisch, aber gut.

Originaltitel: Ace Ventura: Pet Detective
Deutscher Titel: Ace Ventura – Ein tierischer Detektiv
Produktionsland: USA
Erstaufführung: 04.02.1994, USA
Regie: Tom Shadyac
Darsteller: Jim Carrey, Courteney Cox, Sean Young, Tone Loc, Dan Marino, Noble Willingham, Troy Evans, Raynor Scheine, Udo Kier, Frank Adonis, Tiny Ron, David Margulies u.a.

OFDb, IMDb, Wikipedia

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